Achter Vortrag
Wir können dann weiter verfolgen, wie eine einflußreiche Anschauung auf volkswirtschaftlichem Gebiete Platz greift, die eigentlich ungeheuer intensiv die Gesetzgebungen beeinflußt hat, aber auch die Gedanken, die sich die Volkswirtschafter über diese Dinge gemacht haben. Das ist die Anschauung des Adam Smith, der namentlich die Frage sich vor die Seele rückte: Wie führt man eine soziale Struktur herbei, welche geeignet ist, den Wohlstand des einzelnen und den Wohlstand des Ganzen in der bestmöglichen Weise zu gestalten? — Adam Smith kam eigentlich — wir wollen auf einen charakteristischen Punkt dabei hinweisen - zu der Anschauung, daß die völlig individuelle Ausgestaltung der Volkswirtschaft das Allerbeste sei. Er ging ja davon aus, daß Güter, Waren, die ja schließlich den Inhalt der Volkswirtschaft ausmachen, die man zu kaufen und zu verkaufen hat, eigentlich das Ergebnis menschlicher Arbeit seien. Man könnte sagen, seine Anschauung war diese: Wenn man irgend etwas kauft, so ist das dadurch zustandegekommen, daß menschliche Arbeit verrichtet worden ist. Also ist gewissermaßen das Gut, die Ware, kristallisierte menschliche Arbeit. Und er meinte, daß der Wohlstand gerade wegen dieser Grundlage der Volkswirtschaft dadurch am besten herbeigeführt wird, daß man die Leute durch irgendwelche Gesetzgebungen nicht hindere, frei zu produzieren. Der einzelne wird gerade für die Gesamtheit dann das Beste leisten, wenn er für sich selber das Beste leistet. Adam Smith ist ungefähr der Anschauung, daß man auch für die gesamte Menschheit das Beste leiste, wenn man für sich das Beste leistet. Man kann dann am besten die Sachen abgeben und leistet für die Menschheit das Beste, wenn man für sich das Beste leistet. Es ist für den einzelnen und für die Menschheit am besten, wenn man individualistisch die Volkswirtschaft einrichtet, wenn man nicht durch Gesetzgebung besondere Hemmungen und dergleichen aufrichtet.
Cite:
GA 186/1918-12-13/p013 · edition original