Vierter Vortrag

GA 191/1919-10-10/p009 ·1919-10-10 · original (original)
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Diese drei Dinge sind es also, welche Niedergangskräfte in unserer Kultur sind: der Mangel an einer Kosmogonie, der Mangel einer richtigen Begründung der Freiheit, der Mangel an einem altruistischen Empfinden. Und sehen Sie, wo keine Kosmogonie ist, ist keine wirkliche Wissenschaft, da ist kein wirkliches Wissen, da wird das Wissen zuletzt zu einer Art Weltenspielerei oder Zivilisationsspielerei, was es in unserer Zeit vielfach ist, insofern es nicht ist ein bloßes Nützlichkeitsmoment in der äußeren Kultur, in der äußeren technischen Kultur. Die Freiheit wird in unserer Zeit vielfach zu einer bloßen Phrase, weil eine durchgreifende Begründung der Freiheit und Ausbreitung des Freiheitsimpulses nicht die Kraft unserer Zivilisation ist. Ebensowenig haben wir auf ökonomischem Gebiete die Möglichkeit, wirklich im sozialen Sinne vorwärtszukommen, weil unsere Zivilisation keinen altruistischen Antrieb enthält, sondern nur egoistische, das heißt antisoziale Antriebe, und man mit den antisozialen Antrieben nicht sozialisieren kann. Denn sozialisieren heißt, so eine Struktur der Gesellschaft herbeiführen, daß der eine Mensch für den anderen handelt. Man soll sich aber nur vorstellen, daß in unserer Zivilisation der eine Mensch für den anderen handeln soll! Die ganze gesellschaftliche Ordnung ist ja so eingerichtet, daß jeder nur für sich handeln kann. Alle unsere Einrichtungen sind ja so.

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