Vierter Vortrag
Und gehen wir außerhalb Europas, nach dem Westen — wobei ich Großbritannien zu Amerika rechne in diesem Zusammenhange -, gehen wir also zur anglo-amerikanischen Welt, dann finden wir da wiederum ein Drittel von den Impulsen, eben einen der drei Impulse, die notwendig sind, um unsere Zivilisation hinaufzubringen, das ist: den Impuls zu einer Kosmogonie. Wer das anglo-amerikanische Geistesleben kennt, der weiß, daß dieses anglo-amerikanische Geistesleben zunächst formalistisch ist, daß es zunächst materialistisch ist, ja daß es sogar das Spirituelle auf materialistische Art erreichen will, daß es aber doch die Mittel und Wege hat, um zu einer Kosmogonie zu kommen. Wenn auch diese Kosmogonie heute auf ganz falschen Wegen gesucht wird, sie wird gesucht im anglo-amerikanischen Wesen. Wiederum ein Drittel: das Suchen nach einer Kosmogonie. Es besteht nicht die Möglichkeit, diese Kosmogonie mit dem freien, altruistischen Menschen zu verbinden, wohl das Talent, dieser Kosmogonie anzuhängen, sie auszugestalten, aber kein Talent, den Menschen einzugliedern in diese Kosmogonie. Man kann sagen, daß sogar die Bestrebungen des in die Irre gehenden Spiritismus kosmogonisch waren, wie sie in der Mitte des 19. Jahrhunderts begonnen haben und eigentlich heute noch immer nicht ganz abgeflutet sind. Es handelte sich da darum, darauf zu kommen, welche Kräfte hinter den sinnlichen Kräften sind; man schlug nur einen materialistischen Weg, eine materialistische Methode ein. Aber es handelte sich nicht darum, solche formalistischen Wissenschaften, wie sie zum Beispiel die Europäer haben, dadurch zu bekommen, sondern darum, wirkliche, reale übersinnliche Kräfte kennenzulernen. Man schlug nur, wie gesagt, einen falschen Weg ein, einen Weg, den man heute noch «amerikanisch» nennt. So auch hier wiederum ein Drittel desjenigen, was eigentlich da sein muß zum wirklichen Aufstieg unserer Kultur.
Cite:
GA 191/1919-10-10/p015 · edition original