Dreizehnter Vortrag
Nun, selbstverständlich müssen diese Instinkte auch bei der Waldorfschule, bei den Waldorflehrern berücksichtigt werden. Aber ein neues Element tritt da ein, das nur aus dem Geiste anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft herauskommen kann. Das ist, daß zu dem, was bei den früheren Bekenntnissen immer traditionell war, zu dem Nachtodlichen, der entschiedene Hinblick zu dem Vorgeburtlichen hinzutritt, daß wir uns klar sind, daß in dem Kinde, das heranwächst, sich nach und nach dasjenige enthüllt, was aus den geistigen Welten herunterkommt. Wir sind zu einer bestimmten Zeit aus den geistigen Welten heruntergekommen. Die Götter haben uns in diese Welt gesandt, und wir führen dasjenige aus, was die Götter in uns gelegt haben. Die Kinder kommen später herunter, sie waren länger in der geistigen Welt drinnen. Wir schauen hin auf dasjenige, was aus den Kinderseelen herausleuchtet. Botschaft aus den geistigen Welten, in denen sie länger waren als wir, tragen sie uns zu. Ein Gefühl dafür, daß aus der geistigen Welt etwas in die Gegenwart herunterkommt, das in die Kinder hineinfällt, das der Lehrer zunächst zu enträtseln hat, daß zu dem Schenken, das man so gerne tut, ein Nehmen hinzutritt — das kann nur kommen aus dem Geiste wahrer Geisteswissenschaft, wenn zu der Postexistenzidee die Präexistenzidee im lebendigen Erfühlen hinzutrritt.
Cite:
GA 198/1920-07-10/p023 · edition original