Neunter Vortrag
Ich habe ja von den verschiedensten Seiten her immer wieder darauf aufmerksam gemacht, wie groß der Ernst unserer Zeit ist. Ich wollte heute darauf hinweisen, wie im Grunde genommen der ganze Gang des wissenschaftlichen Lebens nicht weitergetrieben werden darf, ohne daß alle einzelnen Wissenschaften von Selbsterkenntnis durchleuchtet werden, und daß nicht zugesehen werden dürfe der sozialen Entwickelung, ohne daß hineingetragen werde in diese soziale Entwickelung ein kosmisches Empfinden, wie es sich nur ergeben kann aus einer solchen Weltenbetrachtung, die den Menschen schon in den Elementen dieser Weltenbetrachtung selber erblickt. Das ist das Eigentümliche, daß, wenn wir anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft treiben, wir im einzelnen Menschen die ganze Welt erblicken und daß wir in der Welt, indem wir sie betrachten, den Menschen überall drinnen haben.
Cite:
GA 203/1921-01-30/p034 · edition original