Elfter Vortrag

GA 204/1921-04-30/p009 ·1921-04-30 · original (original)
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Nun werden Sie sagen: Ja, aber schon die ganze Zeit vorher, seit dem Jahre 1413, war ja das Zeitalter der Bewußtseinsseele. — Gewiß, aber es ist eben eine vorbereitende Entwickelung zunächst gewesen, und Sie brauchen nur zu bedenken, welche Grundbedingungen zu einer solchen Vorbereitung gerade in diesem Zeitalter gegenüber allen früheren Zeitaltern vorhanden waren. In dieses Zeitalter fällt ja zum Beispiel die Entdeckung der Buchdruckerkunst, die Ausbreitung der Schrift. Die Menschen nehmen seit dem 15. Jahrhundert dutch die Buchdruckerkunst und durch die Schrift nach und nach eine ganze Menge von geistigem Inhalt auf. Aber sie nehmen ihn eben äußerlich auf; und das Wesentliche dieses Zeitalters ist ja, daß eine ungeheure Summe von geistigem Inhalt äußerlich aufgenommen worden ist. Die Völker der zivilisierten Erde haben ja äußerlich etwas aufgenommen, was sie früher eigentlich in ihren großen Massen nur durch die hörbare Sprache haben aufnehmen können. Im Zeitalter der Verstandesentwickelung war es so, und im Zeitalter der Empfindungsseele war es erst recht so, daß im Grunde genommen alle Verbreitung der Bildung auf dem mündlichen Sprechen beruht hat. Durch die Sprache klingt noch etwas durch von Geistig-Seelischem. In den Worten lebte besonders in früheren Zeiten durchaus das, was man nennen kann den «Genius der Sprache». Das hörte auf, als in abstrakter Form, durch Schrift und Druck, der Inhalt der menschlichen Bildung aufgenommen wurde. Das Gedruckte und Geschriebene hat ja die Eigentümlichkeit, daß es in einer gewissen Weise das auslöscht, was der Mensch durch die Geburt mitbekommt aus seinem überirdischen Dasein.

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