Vierter Vortrag

GA 207/1921-10-01/p012 ·1921-10-01 · original (original)
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Wenn wir dann aufsuchen, was beim Pflanzenleben so ist wie beim tierischen Leben, dann können wir das nicht in der einzelnen Pflanze suchen, sondern dann müssen wir es eigentlich in der ganzen Erdenseele suchen. Die ganze Erdenseele führt ein träumendes Bewußtsein und schläft sich hinein in das Pflanzenbewußtsein. Und nur insoferne die Erde teilnimmt an dem kosmischen Werden, flackert sie so auf, daß sie solch ein völliges Bewußtsein entwickeln kann, wie wir Menschen es haben zwischen Geburt und Tod im wachenden Zustande. Das ist aber vorzugsweise dann der Fall, wenn die Winterszeit da ist: das ist eine Art Aufwachen der Erde, währenddem das dumpfe Traumbewußtsein während der Sommerszeit, während der warmen Zeit vorhanden ist. Es ist eben durchaus ein Fehlschluß, wie ich auch in früheren Vorträgen schon auseinandergesetzt habe, zu glauben, daß die Erde etwa im Sommer wacht und im Winter schläft. Das Umgekehrte ist der Fall. In der regen vegetativen Tätigkeit, die entwickelt wird während des Sommers, während der warmen Jahreszeit, ist gerade ein Schlafzustand der Erde, eigentlich ein 'Traumzustand der Erde vorhanden, währenddem ein Wachzustand der Erde vorhanden ist in der kalten Jahreszeit. Wenn wir aber nun zum mineralischen Reich hinuntersteigen, dann kommen wir dazu, uns sagen zu müssen: ein noch tieferes Bewußtsein ist da vorhanden als dasjenige unseres Schlafes, ein Bewußtsein, das unserer gewöhnlichen menschlichen Erfahrung durchaus schon ferne liegt, das also hinausgehen würde über das Wollen. Aber eigentlich liegt das, was da in den Mineralien lebt als Bewußtseinszustand, uns Menschen nur scheinbar, nur für das gewöhnliche Bewußtsein ferne. In Wirklichkeit liegt es uns gar nicht so ferne. Wenn wir nämlich übergehen vom Wollen zum wirklichen Tun, wenn wir etwas ausführen, dann sondert sich ja unser Wollen von uns ab. Und das, in dem wir dann, ich möchte sagen, drinnen schwimmen, in dem wir weben und leben, indem wir die Handlung ausführen, die wir ja nur vorstellen — wir stecken ja mit unserem Bewußtsein nicht drinnen in der Handlung, wir stellen sie nur vor -, aber das, was in der Handlung selber drinnensteckt, der Inhalt der Handlung, das ist schließlich dasselbe, was da jenseits der Oberfläche der Mineralien im Mineralischen drinnensteckt und das mineralische Bewußtsein konstituiert. Wir würden eigentlich, wenn wir noch tiefer hinuntersinken könnten in die Unbewußtheit, da ankommen, wo das mineralische Bewußtsein webt. Aber wir würden uns in keinen anderen Zustand hineinfinden als in denjenigen, in dem auch unser Tun selber sich vollzieht. Daher liegt uns das mineralische Bewußtsein gewissermaßen jenseits dessen, was wir als Menschen noch erleben können. Aber auch unser eigenes Handeln liegt jenseits dessen, was da von uns Menschen erlebt werden kann. Insofern also unser Handeln nicht von uns abhängt, nicht im Gebiete dessen liegt, was innerhalb unserer Freiheit eingeschlossen ist, ist unser Handeln genau ebenso Weltgeschehen wie das, was in den Mineralien drinnen geschieht. Wir gliedern unser Handeln in dieses Geschehen ein, und damit haben wir eigentlich die Beziehung des Menschen zu seiner Umgebung schon bis zu demjenigen getragen, wo dann der Mensch mit seinem Handeln sogar jenseits seines Schlafbewußtseins hinüberkommt. Indem der Mensch die Mineralwelt um sich herum gewahr wird, gerät er, indem er die Mineralien von außen anschaut, an dasjenige heran, was jenseits seines Erlebens liegt. Wir können sagen: Wenn das der Umkreis dessen sei, was wir innerhalb des Menschenreiches, des Tierreiches, des Pflanzenreiches sehen, und dann hier an das Mineralreich herankommen, so ist da das Mineralreich, indem es auf unsere Sinne wirkt, uns zuweisend seine äußere Seite; aber jenseits, da wo wir nicht mehr hineinkommen, da entwickelt das Mineralreich dann, gewissermaßen abgewendet von uns, sein Bewußtsein (siehe Zeichnung, rot). Und dieses Bewußtsein, das da entwickelt wird, das ist dasjenige, von dem auch aufgenommen werden die inneren Inhalte unserer Handlungen, die dann weiterwirken im Verlaufe unseres Karma.

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Cite: GA 207/1921-10-01/p012 · edition original