Einundzwanzigster Vortrag
Auch unsere Willensverfassung nach der Richtung des Guten und Bösen ist ja durchaus von Gefühlselementen, von Gefühlskräften durchzogen. Wir brauchen uns nur zu erinnern, wie wir, wenn wir eine gute Handlung begangen haben, gefühlsmäßig anders gestimmt sind, als wenn wir eine böse Handlung begangen haben. Man braucht nur auf das ganze Gebiet der Selbstvorwürfe und der inneren Befriedigung hinzudeuten, und man wird das gefühlsmäßige Durchtränktsein der moralischen Seelenverfassung ins Auge fassen können. Dieses Gefühlsmäßige tritt nun alles in die seelische Welt mit dem Einschlafen ein, und auch das tritt in Beziehung zur äußeren seelischen Welt. So wie wir durch unsere Vorstellungen während des Wachens zu der äußeren physischen Welt in Beziehung treten und dabei allerdings das Gefühlsleben innerlich ausbilden — aber es schließt sich eben bloß innerlich das Gefühlsleben an das Vorstellungsleben -, so tritt während des Schlafens direkt unser gefühlsmäßiges Astralisches an die seelische Welt heran. Da findet aber dann nicht eine Gestaltung statt. Für das Ich, für das willensmäßige Ich findet eine Gestaltung statt; ich habe diese Gestaltung schematisch durch eine Art Furchung ausgedrückt. Das, was durch die Wechselbeziehung des astralischen Leibes mit der seelischen Umgebung entsteht, kann ich nicht ausdrücken durch eine Furchung; ich muß es ausdrücken durch eine Tingierung, durch eine Durchtränkung. Und ich müßte das dann so zeichnen, daß, je nachdem unser Gemüt behaftet ist mit Selbstvorwürfen oder mit inneren Befriedigungen, mit Sympathie- und Antipathiegefühlen, es tingiert, durchsetzt wird von dem, was man schematisch durch eine gewisse Farbbezeichnung zum Ausdruck bringen kann (siehe Zeichnung, rötlich, blau). Es tritt also eine Gestaltung durch unser Ich für unseren, wie wir sagen, höheren Menschen ein, und eine Durchtingierung, eine Durchfärbung für unseren astralischen Menschen.
Cite:
GA 208/1921-11-12/p019 · edition original