Einundzwanzigster Vortrag

GA 208/1921-11-12/p033 ·1921-11-12 · original (original)
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Wenn man alle diese Dinge verfolgt, die sich rein der äußeren Erfahrung auf diesem Gebiete ergeben, dann kommt man eigentlich darauf, daß das gewöhnliche Denken hier Ursache und Wirkung verwechselt. In Wahrheit sind wir ermüdet, weil wir einschlafen wollen. Die Impulse des Einschlafens treten viel innerlicher auf als in der Sphäre der Ermüdung, als in der Sphäre des körperlichen Gegenteils. Wenn wir keine Lust haben an der Außenwelt, dann tritt in uns die Sehnsucht auf, uns aus dieser Außenwelt zurückzuziehen. Dann verläßt das Seelisch-Geistige das Leiblich-Physische, und dann ermüdet das Leiblich-Physische. Wir ermüden, weil wir einschlafen wollen, nicht: Wir schlafen ein, weil wir ermüdet sind. Davon kann sich jeder überzeugen, wenn er nur will. Allerdings ist das Überzeugtwerden bei Dingen, die mit den selbstzufriedenen Interessen des Lebens so innig im Zusammenhang stehen, außerordentlich schwierig. Aber wir können uns schon überzeugen, wenn wir uns nur überzeugen wollen. Und wir werden dann schon dazu geführt, daß wir in dem Einschlafen nicht nur einen physisch-physiologischen Vorgang sehen, sondern daß wir das Einschlafen hineinstellen in den Gesamtkosmos, der, wie wir ja von den verschiedensten Seiten charakterisiert haben, auch die moralischen Impulse als reale Impulse, nicht als bloße Worte enthält. Und so zeigt uns gerade der Wechselzustand von Schlafen und Wachen, wie eine Brücke geschlagen werden kann zwischen dem Physischen und dem Moralischen in unserer Weltenordnung.

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