Das Erleben des Willensteils der Seele
Dafür nur ein Beispiel. Es ist etwas ganz anderes, ob man ein Kind gerade so viel, als ihm gut tut, oder ob man es zuviel gedächtnismäßig auswendig lernen läßt, so daß das Gedächtnis überlastet ist. Man könnte bei der Art, wie man heute das Wechselspiel zwischen aufbauenden und abbauenden Vorgängen nimmt, leicht glauben, das übe nur einen Einfluß auf die seelische Organisation des jungen Menschen aus. Das ist nicht der Fall. Wenn wir ein Kind zuviel auswendig lernen lassen, so bildet es in einer ungeregelten Weise Erinnerungsgedanken aus, die sich in die Kopforganisation einleben, die aber dann Unregelmäßigkeiten bewirken, indem sie sich in Willensgedanken fortsetzen, auch in den Stoffwechsel- und Gliedmaßenorganismus. Und wir können es erleben, daß wir vielleicht das Kind in einer falschen Weise in bezug auf sein Gedächtnis unterrichtet und erzogen haben, und daß sich dieser Fehler vielleicht erst im dreißigsten, vierzigsten oder fünfundvierzigsten Jahre zeigt in einer schlechten inneren Verdauung und Stoffwechselstörungen.
Cite:
GA 215/1922-09-15/p016 · edition original