Dritter Vortrag
Nun aber kam mit der fortschreitenden Entwickelung der Menschheit eine andere Zeit. Immer mehr und mehr verdunkelte sich das alte Hellsehen, so daß jene besonderen Vorgänge, die in der eben beschriebenen Art von den alten Initiierten für den urindischen und urpersischen Zeitraum bewirkt werden konnten, immer schwieriger wurden. Gewiß, bis zum Mysterium von Golgatha hin und ein paar Jahrhunderte darüber hinaus gab es, namentlich in gewissen Gegenden, noch Überreste des alten Hellsehertums. Aber es war doch sehr abgedämpft, und namentlich wurden die Prozeduren, von denen ich jetzt gesprochen habe, schon im 3. und 2. Jahrtausend vor dem Mysterium von Golgatha nicht mehr in jener intensiven Weise ausgeführt, wie das in den urältesten Zeiten der menschlichen Erdenentwickelung, gleich nach der atlantischen Zeit, der Fall war. Ich möchte sagen, die Eingeweihten der Mysterien kamen immer mehr und mehr in Verlegenheit, wenn sie die Kraft der Mondenwesen benützen wollten, um die Menschheit zu lenken. Und wenn ich Ihnen verständlich machen soll, was sich zwischen den Eingeweihten der Mysterien und den Mondenwesen abspielte, die in älteren Zeiten zu den geschilderten Vorgängen benutzt worden sind, so möchte ich das so ausdrücken: Wenn zum Beispiel schon ein Eingeweihter der ägyptisch-chaldäischen Zeit an ein Mondenwesen herantrat und ihm einen Auftrag geben wollte, der dahin ging, nach dem Einziehen dieses Mondenwesens durch das Einatmen dies oder jenes der menschlichen Seele einzuprägen, so sagte gleichsam ein solches Mondenwesen oft zu dem Eingeweihten: Wir haben während der tagwachen Zeit kein Obdach mehr auf der Erde, wir finden nur Obdach noch während der Nachtzeit. - Während der Nachtzeit aber würde es den Eingeweihten außerordentlich bedenklich geschienen haben, auf dem Umwege durch die Mondenwesen auf die Menschen der Erde zu wirken, denn da würden die Menschen gleichsam automatisch behandelt worden sein. Da wäre etwas zustande gekommen, was man in einer gewissen Terminologie durchaus als schwarzmagische Kunst bezeichnet. Das haben natürlich die guten Eingeweihten weit von sich gewiesen; so daß es für sie eine ungeheure Bedeutung hatte, wenn ihnen die Mondenwesen, die ihre Helfer in der Leitung der Menschheit sein sollten, die Erwiderung gaben: Wir haben zur Tageszeit kein Obdach auf der Erde. — Und so standen die Initiierten dieser Mysterien vor der Gefahr, keine Helfer zu haben auf den Wegen, die sie zur Lenkung der Menschheit betreten hatten.
Cite:
GA 216/1922-09-22/p013 · edition original