Siebenter Vortrag
Wir haben es uns wiederholt vor die Seele geführt, daß das Denken, so wie es im Erdenleben von dem Menschen ausgeführt wird, nur dann in der richtigen Weise angeschaut wird, wenn man es zu seinem eigentlichen Wesen in die gleiche Beziehung zu setzen versteht, wie der Leichnam, den der Mensch übriggelassen hat, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist, im Verhältnis zu dem lebendigen Erdenmenschen steht. Das, wodurch der Mensch Mensch ist, fährt eigentlich aus dem Menschen heraus, und im Leichnam bleibt etwas übrig, das nur diese Form haben kann, die uns entgegentritt, wenn sie eben von einem lebenden Menschen übriggelassen ist. Niemand könnte so einfältig sein zu glauben, daß durch irgendein Zusammenkommen von Kräften der menschliche Leichnam in seiner Form entstehen könnte. Er muß ein Rest sein, es muß ihm etwas vorangegangen sein, es muß ihm der lebendige Mensch vorangegangen sein. Die äußere Natur, die wir studieren, hat zwar die Macht, die Form des menschlichen Leichnams zu zerstören, sie hat aber nicht die Macht, sie zu bilden. Diese menschliche Form wird gebildet durch das, was dem Menschen an höheren Wesensgliedern eigen ist. Aber diese sind fort mit dem Tode. Geradeso wie wir einem Leichnam ansehen, daß er von einem lebendigen Menschen herrührt, so sehen wir es dem Denken an, wenn wir es in der richtigen Weise anschauen, daß es nicht durch sich selbst so sein kann, wie es uns im Erdenleben entgegentritt, sondern daß es eine Art Leichnam in der Seele ist, und zwar der Leichnam von dem, was es war, bevor der Mensch aus geistig-seelischen Welten in das physische Erdendasein heruntergestiegen ist. Da war die Seele etwas im vorirdischen Dasein, das gewissermaßen mit der Geburt gestorben ist; und der Leichnam dieses seelisch Gestorbenen ist das Denken.
Cite:
GA 216/1922-09-30/p004 · edition original