Siebenter Vortrag

GA 216/1922-09-30/p015 ·1922-09-30 · original (original)
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Goethe hätte etwa sagen können: Wenn wir einen Menschen sehen, der einen andern furchtbar viel essen sieht und er selbst hat nichts, nun, da wird er eben blaß vor Neid. Ein andermal gibt ihm einer einen Puff und da wird er rot. Ja, nach demselben Prinzip, nach dem man das hier zwei Blätter nennt, könnte man auch sagen: Das sind zwei Menschen; das eine Mal ist er blaß, das andere Mal ist er rot, also sind es zwei Menschen. — Ebensowenig wie das zwei Menschen sind, ebensowenig sind das zwei Blätter. Es ist ein Blatt, das eine Mal ist es dieses, an einem andern Orte ist es jenes. Das ist ja auch nichts besonders Wunderbares für Goethe, denn schließlich kann der Mensch auch von einem Ort zum andern laufen, und es sind doch nicht zwei verschiedene Menschen, die Sie an verschiedenen Orten sehen! Kurz, Goethe kam darauf, daß dieses Nebeneinanderbetrachten der Dinge keine Wahrheit, sondern eine Täuschung ist, daß dies ein Blatt wäre, das grüne hier und das rote dort.

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