Ansprache während der Breslau-Koberwitzer Tagung in Koberwitz am 17. Juni 1924
Da ist ja aber aus jenen alten Zeiten alles mögliche an äußeren sozialen Einrichtungen geblieben, was eben der junge Mensch wie eine Art seelenbedrückender Einflüsse empfinden muß. Wären wir in der Lage, das äußere Leben schon zu formen, wie wir die Seelen wecken können durch Anthroposophie, dann würde ja das ganz anders sein, dann würde man heute nicht immer davon sprechen, daß Anthroposophie nun «konkret» werden solle, sondern dann würde man empfinden, Anthroposophie könnte schon weltgestaltend werden, wenn die äußeren Mächte nicht hindernd eintreten würden. Denken Sie nur, wie wir uns heute entwickeln, gerade als junge Menschen heute entwickeln. Ja, der Dr. Ritter hatte die Möglichkeit, einzulaufen mit seiner Entwickelung in ein großes Gut, das, ich möchte sagen, noch in seinem Bestande in Köfering sich geistig erhalten hatte, während ringsherum die Welt sich materialistisch austobte. Das ist schon ein Phänomen. Aber denken Sie, so ist immer ein Phänomen da, wo Sie heute ein äußeres Refugium finden werden für dasjenige, was gerade die Jugend sucht. Da muß schon irgendwie dasjenige, was Anthroposophie ist, im Hintergrund stehen, weil auf andere Art wiederum in der Anthroposophie man nicht nach dem Verstande strebt, nicht studiert, sondern wiederum im besten Sinne des Wortes doch «Pfarrer» wird, wenn man lernen will. Und wenn dieser Übergang in einer merkwürdig schnellen Weise geschehen wird von dem alten Pfarrerwerden, das zur Lüge geworden ist, zu dem neuen Pfarrerwerden, dann tritt einem das ganz besonders entgegen. . Und es ist ja ein merkwürdiger Weg, der sich gerade zum Beispiel in Köfering vollzog, den Sie am allerbesten verstehen werden, auch Ihrer Art sich werden begreiflich machen können, den ich bezeichnen möchte: als den Weg von der anthroposophischen Wesensgestaltung des Gutsherrn zu der anthroposophischen Gestaltung des Gutes.
Cite:
GA 217a/1924-06-17/p021 · edition original