Geistige Zusammenhänge in der Gestaltung des menschlichen Organismus I
Nun, wenn es auch für eine oberflächliche Betrachtung so aussehen könnte, als ob auf den physischen Organismus des Menschen dasjenige wirkt, was da beim Sehen aus der Umwelt herauskommt, so ist es doch nicht so. Wir haben zwar, wenn wir der Außenwelt sehend gegenüberstehen, das physische Auge (siehe Zeichnung, hell). Gewiß, wir haben das physische Auge, aber alles, was im physischen Auge vor sich geht, das ist erst etwas Mittelbares. Was zunächst geschieht, das ist eigentlich ein Spiel von Vorgängen im Ich und im astralischen Organismus. Ich will das dadurch andeuten, daß ich das Auge mit diesem (gelb) als dem Ich durchsetze — es geht natürlich dann weiter in den Organismus hinein — und mit diesem (rot) als dem astralischen Organismus. Wir müssen uns ganz klar sein, dasjenige, was zuerst in Betracht kommt, wenn wir sehen, das sind Vorgänge im Ich und im astralischen Organismus. Sie können das eigentlich unmittelbar erkennen, wenn Sie nicht oberflächlich, sondern etwas intimer Ihr Sehen ins Auge fassen. Sie brauchen sich nur darauf zu besinnen, wenn Sie zum Beispiel irgendwo eine rote Farbe sehen, ob Sie sich selber in dem Augenblicke, wo Sie das Rot sehen, unterscheiden können in bezug auf Ihr Ich von diesem Rot. Sie können das nicht, Sie können sich nicht unterscheiden von diesem Rot, Sie sind dieses Rot. Dieses Rot ist etwas, was Ihr Bewußtsein ganz erfüllt. Sie sind nichts anderes als dieses Rot. Sie können ja das ganz besonders gut dadurch sehen, daß Sie, sagen wir, sich vorstellen, dieses Rote wäre das einzige, was Sie sehen können. Sie sehen eine große rote Fläche. Sie müssen sich erst besinnen, wenn Sie diese große rote Fläche anschauen, daß Sie ein Ich sind. Sie müssen erst das Ich abtrennen. Aber während Sie die große rote Fläche anschauen, während dieser Zeit ist das Rot und das Ich zusammengeflossen. Und ebenso ist es mit dem astralischen Organismus des Menschen.
Cite:
GA 218/1922-10-20/p005 · edition original