Dritter Vortrag

GA 226/1923-05-18/p028 ·1923-05-18 · original (original)
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Wer sich für diese Dinge ein richtiges Anschauungsvermögen entwickelt hat, der weiß, daß ein Kind, das die Tendenz hat, mehr mit den Zehen aufzutreten, auch anders spricht, anders seine Laute nuanciert als ein Kind, das die Tendenz hat, mit den Fersen aufzutreten. Aus dem Geh- und Bewegungsorganismus entwickelt sich der Sprachorganismus, entwickelt sich das Sprechen. Und dieses Sprechen ist wiederum die Nachbildung desjenigen, was ich Ihnen gestern als das Durchgehen durch die Offenbarung zwischen dem Tod und der neuen Geburt gezeigt habe. Indem das Kind sprechen lernt - es versteht noch gar nicht in Gedanken etwa die Worte, es versteht sie nur gefühlsmäßig -, lebt das Kind in der Sprache als in Gefühlen und lernt erst nach dem Sprechen, wenn es sich ganz normal entwickelt, das Vorstellen, das Denken. Die Gedanken entwickeln sich bei dem Kinde aus den Worten in Wirklichkeit. Geradeso wie das Gehen und Greifen, die Geste der Beine und der Hände heraufschießen in den Sprachorganismus, so schießt wiederum dasjenige, was im Sprachorganismus lebt und was gewonnen wird in Anpassung an die Sprache der Umgebung, in die Denkorgane herauf, und das Kind entwickelt auf der dritten Etappe das Denken.

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Cite: GA 226/1923-05-18/p028 · edition original