Fünfter Vortrag

GA 229/1923-10-13/p040 ·1923-10-13 · original (original)
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Goethe hat dasjenige, was er in diesen Spruch dichterisch hineingebracht hat, eben gelesen. Es hat auf ihn einen großartigen Eindruck gemacht. Dasjenige, was hier geschildert werden konnte, das kannte er nicht. Aber gerade das ist es, was einen so erschüttert, daß, wenn aus einer gewissen dichterischen Empfindung heraus ein solcher Geist wie Goethe etwas aufgreift, was durch alte Traditionen heraufgekommen ist, daß es dann so unglaublich die Wahrheit wiedergebend ist. Das ist jenes Großartige, das uns wieder verbindet, wenn wir Geisteswissenschaft in der Gegenwart treiben und diese Dinge sich für uns ergeben: wenn wir wirklich sehen, wie Uriel und Raphael und Michael und Gabriel zusammenwirken, wie sie wirklich das, was ihre eigenen Kräfte sind, einer dem andern reichen, wenn wir das ursprünglich sehen und dann uralte Sprüche, die vielleicht auf einem Umwege, wie hier durch Goethe, auf uns gekommen sind, auf uns wirken lassen und sehen, wie eine alte instinktive Wahrheit - meinetwillen mythisch, meinetwillen legendarisch — einstmals durch die Welt gebraust ist! Wie dann eine andere Zeit gekommen ist, und wie in unserer Zeit das wiederum auf eine höhere Stufe gehoben werden muß.

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Cite: GA 229/1923-10-13/p040 · edition original