Achter Vortrag
Dadurch aber, daß man die Konsequenzen dieser Anschauung zog, hatte man eine ganz bestimmte Nuance der Weltanschauung herausgearbeitet, die Nuance, welche sagte: Da der Mensch nun einmal sündhaft geworden ist — und sündhaft werden, heißt eben heruntersinken von der ursprünglichen Höhe -, so kann er nicht so die Welt durchschauen, wie er sie sindenlos, wie er vor seinem Falle war, hätte anschauen können. Der Mensch sieht daher die Welt trübe. Er sieht sie nicht in ihrer wahren Gestalt, er sieht sie voller Illusionen und Phantasmen. Er sieht gerade das, was er draußen in der Natur schaut, sieht nicht, wie es ist mit seinem geistigen Hintergrunde; er sieht es in materieller Form, die in Wirklichkeit gar nicht da ist. Das heißt, der Mensch ist sündhaft für die Anschauung der alten Zeiten und für die Tradition vielfach noch heute. So daß also auf der Erde von denjenigen auch, die die Tradition der Mysterien bewahrten, durchaus gelehrt wurde: Der Mensch kann die Welt nicht so anschauen, er kann in der Welt nicht so fühlen, er kann in der Welt nicht so tun, wie er denken, fühlen und tun würde, wenn er nicht sündhaft geworden wäre, das heißt, wenn er von der Höhe, zu der ihn ja die zu ihm gehörigen Götter ursprünglich bestimmt haben, nicht heruntergefallen wäre.
Cite:
GA 237/1924-08-01/p017 · edition original