Vierter Vortrag

GA 239/1924-04-05/p020 ·1924-04-05 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Wer solche Dinge sieht, der wird es auch nicht so paradox finden, wenn man genötigt ist durch die geistige Forschung, hinzuweisen auf dieses epische Drama, dramatische Epos, welches geradezu die Verwandlung eines Menschen darstellt unter dem Gelöbnis zu dem Opfer des Intellekts, wodurch ihm die Himmel eröffnet worden sind. Aber in der Tradition hat sich manches Bruchstück aus jenem alten dramatischen Epos erhalten, umgeändert vielfach, nicht mehr verstanden in den großen Zusammenhängen, vor allen Dingen nicht mehr in der alten Bildhaftigkeit verstanden; denn das, was der Inhalt dieses Kunstwerkes darstellte, ist vielfach zum Gegenstand der Malerei geworden. Auch diese Malereien sind ausgerottet worden, nur Traditionen haben sich erhalten. Und von diesen Traditionen ist noch etwas in einem Kreise getrieben worden, dem der Lehrer Dantes, Brunetto Latini, angehört hat. Dante hat von diesem Lehrer etwas, allerdings nicht mehr genau, aber etwas Traditionelles erfahren, und in Dantes « Göttlicher Komödie» lebt noch etwas fort von jenem dramatischen Epos. Aber das Werk hat so wahr einmal bestanden, wie die «Göttliche Komödie» selber besteht.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/239/1924-04-05/p020.json
Cite: GA 239/1924-04-05/p020 · edition original