Über den Einfluss von Sonne und Mond auf den Menschen
Sehen Sie sich einmal die Völker am Nordpol an. Wenn nicht eine gewisse Verstandes- und Gemütskultur eindringt bei ihnen — und wenn das geschieht, dann haben sie große Mühe, sie sich anzueignen -, dann verfallen sie in Apathie wegen der Verteilung von Winter und Sommer, wie sie sich um den Nordpol herum zeigt. Ebenso ist es in tropischen Gegenden mit ihren langen Sommern. Da verfällt der Mensch auch in Apathie. Jene Kultur aber, die an die Verstandesseele gebunden ist, kann eintreten in den gemäßigten Zonen, die ihren regelmäßigen Wechsel von Sommer und Winter haben. Das hängt damit zusammen, dass das eigentümliche Verhältnis von Verstandes- oder Gemütsseele zum Ätherleib nur eintreten kann, wenn der Mensch wirklich das erlebt, was man nennen kann alle jene Sehnsucht nach dem Frühling, wie sie in der gemäßigten Zone sich zeigt, alle jene Fröhlichkeit, die dann im Sommer da ist, alle jene Wehmut, die im Herbst sich einstellt, und alles das, was im Winter erlebt werden kann. Dieser Rhythmus ist notwendig, damit der Ätherleib so gedeihen kann, dass darinnen die Verstandes- oder Gemütsseele in richtiger Weise wohnen kann.
Cite:
GA 246/1909-12-12/p035 · edition original