Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit II
Dieses einfache Experiment besteht darin, dass man öfter in seinem Leben, wenn man immer älter und älter wird, ein wenig Rückschau hält auf dasjenige, was man erlebt und getan hat, zurückdenkt ein wenig auf dasjenige, was man vielleicht in seiner Jugend getan hat, was man in einem späteren Lebensalter getan hat, getan hat oder gesprochen hat, wie man dieses oder jenes Ereignis, das einen betroffen hat, aufgefasst hat und so weiter. Wenn man darüber einmal nachdenkt, öfter nachdenkt, immer nachdenkt, wenn wieder ein paar Jahre verflossen sind, dann kann man eine merkwürdige Entdeckung machen. Diese Entdeckung macht nicht etwa bloß der Mensch, der so im gewöhnlichen Leben drinnen steht, sondern in einem noch viel höheren Maße macht sie jener Mensch, der schon ein wenig geistige Entwicklung durchgemacht hat. Und in einem noch höheren Maße macht dieselbe Erfahrung sogar der Eingeweihte. Eine merkwürdige Entdeckung machen wir da. Wenn wir uns so fragen: Was hast du in dieser oder jener Zeit deines Lebens getan oder gesprochen? - Dann stellt sich sehr häufig heraus, dass man eine ganze Menge Dinge gemacht hat- man kommt schon auf solche Dinge -, die man eigentlich erst jetzt versteht. Da hat man vor sieben oder acht Jahren oder vielleicht vor zwanzig, einundzwanzig Jahren Dinge getan, von denen man jetzt ganz genau weiß: Jetzt reicht eigentlich erst dein Verstand so weit, dass du die Dinge verstehen kannst, die du damals getan hast!
Cite:
GA 246/1911-06-06/p005 · edition original