Öffentlicher Vortrag

GA 255b/1921-05-25/p025 ·1921-05-25 · original (original)
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Betrachtet man aber die zeitlichen Kräfte, die im Menschen leben zwischen Geburt und Tod, was stellt sich da heraus? Nun, wir haben ja nicht nur ein Bewußtsein des Augenblicks. Wir blikken im gewöhnlichen Leben zurück bis zu einem sehr frühen Punkt in unserer Kindheit, und wir wissen, daß das menschliche Seelenleben krank wäre, wenn man nicht bis zu diesem Punkt in der Kindheit in einem geschlossenen Gedächtnisstrom zurückblikken könnte. Man ist — wenn man ehrlich ist, muß man sich das sagen —, man ist im Grunde genommen nichts anderes in diesem jetzigen Augenblick als dasjenige, was man geworden ist durch seine Erlebnisse, die durch den Gedächtnisstrom wiederum heraufgebracht werden können. Vertieft man sich so in sein Zeitliches zwischen der Geburt und dem gegenwärtigen Augenblick und enthüllt sich einem da, wahrhaftig nicht kinematographisch, aber im inneren Erleben die nächste Vergangenheit des eigenen Selbstes, dann wird es, wenn man diesen Vorgang in der richtigen Weise durchschaut, nicht mehr wunderbar erscheinen, daß man, wenn man sich nun einlebt in das Ewige, in das Unsterbliche der Seele, das vorhanden war bei allen Vorgängen, die selbst unserer Erdenbildung vorangegangen sind, sich auch einleben kann in dasjenige, was dieses Ewige der Seele erlebt hat. Lebt man sich ein in das, was das Ewige der Seele erlebt hat, dann hat man die kosmische Umgebung um sich, wie man seine persönliche Umgebung durch das gewöhnliche Gedächtnis um sich hat. Es ist dieses übersinnliche Vermögen des Lesens in der sogenannten Akasha-Chronik, das heißt in demjenigen, was man überblickt durch die Erlebnisse der Seele in bezug auf das Ewige der Seele; es ist nichts anderes, als daß sich in der Seele diese Erlebnisse darstellen, offenbaren, daß man gewissermaßen das gewöhnliche Gedächtnis, das sonst bis zur Geburt hin reicht — oder wenigstens bis zu einem Punkte nahe der Geburt -, daß man dieses gewöhnliche Gedächtnis erweitert zum kosmischen Anschauen.

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Cite: GA 255b/1921-05-25/p025 · edition original