Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Hamburg, 1906-03-03

GA 266a/1906-03-03/p002 ·1906-03-03 · original (original)
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Gedächtnisaufzeichnungen von Teilnehmern sowie Notizen von Vorträgen» (Participants' records written from memory, and notes of lectures). Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one.

Hamburg, 3. März 1906 Wer im theosophischen Sinne Esoteriker werden will, der muß sein Gedankenleben dahin schulen, daß jeder Gedanke ausreichend durchdacht wird. Das kurze, zu kurze Denken ist ein Merkmal des Menschen, der Materialist ist. Der theosophische Esoteriker darf in dies bequeme Denken nicht verfallen. Nehmt den Gedanken der Sozialdemokratie: Ändert die Verhältnisse, und der Mensch wird in seinen sozialen Arbeits- und Lebensbedingungen sich verbessern. - Ein Glaube des Materialismus, kurz und betörend. Dieser Glaube ist im höchsten Grade lähmend für jede Betrachtung des [wirklichen] sozialen Lebens. Wie kann nun ein Theosoph aus diesem materialistischen Glauben sich befreien, daß die Existenz, ja sogar die Moral sich verbessern würde, wenn man nur die äußeren Verhältnisse verbessern würde? Beginnen wir mit dem Nachdenken darüber, daß doch jede Veränderung durch Menschen zu geschehen hat und daß demnach jeder Zustand, der herbeigeführt wird für die soziale Ordnung, aus Menschengedanken und Menschenempfindungen erfolgt. Hat man diesen Gedanken fest in der Hand, so kann man sich mit ihm aus der materialistischen Anschauung, alles werde durch die äußeren Verhältnisse herbeigeführt, lösen. Ihr müßt zum Erleben solcher Tatsachen kommen. Ihr müßt auch erleben, wie lähmend der Glaube wirkt, der Mensch sei ein Produkt der äußeren Verhältnisse. Der nächste Schritt ist so auszuführen, daß der angehende Esoteriker die Beweise sich sammelt, wie durch die Herbeiführung der besseren äußeren Verhältnisse keine Weltverbesserung eintritt. Man braucht nicht weit zu gehen, um genügend Anschauungsmaterial zu bekommen, da die Weltverbesserer es überall in die Welt schreien, daß man nur die äußeren Verhältnisse zu ändern brauche. Nicht so leicht ist es, die Gedanken dieser Weltverbesserer zu verfolgen und sich nicht ablähmen zu lassen. - Viele Menschen denken also nach, und aus ihrem Denken und Fühlen werden sie zu Weltverbesserern. Nun ist man reif, weiter zu denken. Der folgende Gedanke ist dieser: Ist es egal, ob ein guter Mensch oder ein böser Mensch über die Weltverbesserung denkt und fühlt? Die Theosophie sagt uns, daß die soziale Ordnung von Menschen geschaffen wird und daß sie die Folge von Menschengedanken und Menschenempfindungen ist. Also sind die Menschengedanken und die Menschenempfindungen zu kultivieren, nicht die soziale Ordnung zu verändern. Was wird ein echter Sozialdemokrat tun, wenn er etwas ändern will? Er wird die Gesetze ändern, damit die unerfahrenen Menschen nicht ausgeliefert sind diesen oder jenen Menschen. Prüft das in jedem Einzelfalle nach, wie ein Gesetz zustande kommt. Der Sozialdemokrat will nicht die Menschheit belehren, d. h. ihre Gedanken reinigen, kultivieren, ihre Gefühle veredeln, um eine erfahrene Menschheit zu schaffen, die selbstbestimmend ist für ihre Taten. Der Esoteriker fragt: Woher kommt dieser Zustand, der veränderungswürdig ist? Und wenn der Zustand nicht von der Natur verhängt ist, so erkennt er, daß der Zustand durch die Gedanken und Willensimpulse herbeigeführt wurde von den Menschen, die vor ihm gelebt haben. Die Verhältnisse sind also so, wie sie jetzt sind, weil Menschen mit ihren ungenügenden Gedanken und ungenügenden Empfindungen sie so gemacht haben. Wenn der Sozialdemokrat als radikalster Sozialtheoretiker neue Verhältnisse schaffen will, so werden diese Verhältnisse genauso ungenügend sein wie die bisherigen, weil er nämlich aus denselben ungenügenden Gedanken und ungenügenden Empfindungen schöpft wie die, die vor ihm diesen Zustand herbeigeführt haben. Was will also Geisteswissenschaft? Sie will eine mächtige Erziehung unserer innersten Seelenkräfte bewirken, damit aus anderen Gedanken und anderen Empfindungen heraus das soziale

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