Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Düsseldorf, 1909-04-15
## GA 266/1 — 1909-04-15, Düsseldorf
Düsseldorf, 15. April 1909 Aufzeichnung A Wir wollen uns heute, wie in jeder esoterischen Stunde, vor die Seele führen, daß, was uns in diesen Stunden mitgeteilt wird, ausgeht von den Meistern der Weisheit und des Zusammenklanges der Empfindungen. Wir wollen uns entwickeln, nicht aus einer egoistischen Sehnsucht nach Entwicklung, sondern um Helfer zu werden in der Entwicklung der Menschheit, an deren Karma das unsere geknüpft ist. Als andere Menschen sollen wir aus diesen Stunden hervorgehen, als wir in sie hineingegangen sind, indem wir Nutzen ziehen aus den Unterweisungen für unser esoterisches Tagewerk. Diese intimsten Verrichtungen der Seele immer in der richtigen Gesinnung zu vollführen, ist die Hauptsache, die uns nicht oft genug eingeprägt werden kann. Unsere Meditationen berücksichtigen in erster Linie die Zweiteilung des jetzigen Menschen in Schlaf- und Wachbewußtsein. Sie sind uns von uralten, voratlantischen Zeiten her gegeben und sind zugeschnitten nach dieser Zweiteilung des Menschen. Warum ist es nötig, daß der Mensch nachts sein Ich und den Astralleib aus dem physischen und Ätherleib herauszieht? Die göttlichen Wesenheiten, die den physischen und Ätherleib zu einem so herrlichen, vollkommenen Tempel aufbauten, beziehen denselben wieder während der Nacht, während Ich und Astralleib des Menschen ebenfalls in göttliche Reiche eingehen. Täten sie dies nicht, so würden sie den physischen und Ätherleib ganz verderben, weil außer den geistig-göttlichen Wesenheiten, die ihre Schöpfer waren, auch die luziferischen Wesenheiten Einfluß auf den Astralleib haben. Denn diese waren es, die den Astralleib frei und selbständig machten. Dadurch verfällt der Mensch, wenn er zurückkehrt in seinen physischen Körper, am Tage in Irrtümer und Schuld. Nicht der physische und der Ätherleib sind den
Verirrungen unterworfen, sondern der Astralleib, der durch das Ich verführt wird, das den Einflüsterungen der luziferischen Wesenheiten nachgab. Der normale Mensch ist vor tieferen, gefährlicheren Einwirkungen dieser luziferischen Wesen geschützt durch die geistig-göttlichen Schöpfer, indem diese ihn mit einer starken Kraft begabt haben, welche Kraft der Esoteriker aber verwenden soll, um zu höheren Entwicklungsstufen aufzusteigen. Der Esoteriker soll sich nun beim Einschlafen sagen: «Ich kehre zu meinen Schöpfern zurück», und beim Erwachen: «Ich komme daher, wo ich weilte, ehe mein Körper geschaffen wurde». Und er soll in der Meditation noch bewußt einige Augenblicke in diesen Reichen weilen. Wenn er es in dieser Gesinnung tut, wird er das heilige Feuer, die innere Wärme dadurch in sich entzünden, die notwendig sind für ihn. Und ehe er abends entschlummert, soll er dieselben Gefühle bei seiner abendlichen, esoterischen Arbeit entwickeln, und wenn es nur die tägliche Rückschau wäre. Indem er von rückwärts nach vorn seinen Tag in Bildern an sich vorüberziehen läßt, schafft er geistige Bilder, die er als Extrakt mit in die geistigen Welten hinübernimmt. Von rückwärts nach vorn muß dies geschehen, weil in den geistigen Welten alles so geschieht und man sich dadurch einen Übergang in dieselben schafft, so daß sie leichter in uns einfließen können, wir leichter in sie eingehen. Durch das gewöhnliche Vorwärtsdenken, das wir in die geistigen Welten übertragen, stemmen wir uns gegen dieselben, schieben sie fort von uns und hemmen uns dadurch selber und die Entwicklung. Wie in der Nacht die luziferischen Wesenheiten den Menschen sozusagen von innen beeinflussen, so am Tage die ahrimanischmephistophelischen von außen. Was haben nun diese Wesenheiten bewirkt beim Menschen durch ihren Einfluß? Die luziferischen brachten mit der Freiheit und dem Ich-Bewußtsein den extremsten Ausdruck für dieses, den Haß. Niemals hätte der Mensch hassen können, wenn er sich nicht mehr und mehr in seinem Ich abgesondert hätte. Und die ahrimanischen Wesenheiten hüllten die göttlich-geistigen Wesenheiten für das Auge des
Menschen in den Rauch der Maya, so daß der Mensch nicht mehr sieht, was hinter den Dingen steht. Dadurch entstand die Furcht. Nie hätte der Mensch die Furcht gekannt, wenn er die göttlichen Schöpfer sehen könnte, statt sich an den Dingen im Raume zu stoßen. Ein kleines Kind lernt in dem Moment die Furcht, wo es mit der Materie in Berührung kommt, sich an ihr stößt. Diese beiden, Haß und Furcht, muß nun der Esoteriker auch in ihren feinsten Schattierungen abzulegen suchen, um mit Erfolg vorwärts zu schreiten. Zarathustra, einer unserer gewaltigsten Lehrer, hat deshalb uns die Worte hinterlassen, die uns dazu dienen sollen, mit Erfolg Furchtlosigkeit zu erreichen, wenn wir sie im rechten Sinne aufnehmen. Er sagte: «Ich will reden, nun kommt und hört mir zu, ihr, die ihr von ferne, von nahe Verlangen danach tragt. Sprechen will ich von dem, der da werden kann für den Geist offenbar, und nicht mehr soll der trügerische Sinn verwirren die Menschen, der so Böses angestiftet hat in der menschlichen Entwicklung. Ich will reden von dem, was in der Welt mir das Erste und Größte ist, von dem, was er mir offenbart hat, der große Geist, der ist Ahura Mazdao. Wer aber nicht hört meine Worte, wie ich sie meine und erfasse, der wird Übles erfahren, wenn der Erde Lauf zu Ende gegangen sein wird in seinem Zeitalter.» Damit wollte er die Menschen darauf hinweisen, daß die äußere Sonne nur die Hülle ist für den großen Regenten der Feuergeister, wie alles Physische die Hülle für ein Geistiges ist, und wenn wir uns auf diese große Aura Mazdao konzentrieren, die hinter der lebenspendenden Sonne steht, so wird Furchtlosigkeit unser Teil sein. Und zur Erreichung der Haßlosigkeit hat uns der große Zarathustra viel später ein anderes Symbol hingestellt. Er hatte zwei Schüler. Dem einen präparierte er den Astralleib, so daß er hellsehend ward, und deshalb konnte dieser Schüler in einer späteren Inkarnation mit seinem vorbereiteten Astralleib verbinden den des Zarathustra, der den seinen zu diesem Zwecke hinopferte. Dieser Schüler wurde der große Hermes, der die ägyptischen Mysterien
leitete. Seinen Ätherleib opferte Zarathustra dem zweiten Schüler, dessen Ätherleib er ebenso sorgfältig vorbereitet hatte zu dieser Verbindung. Dieser Schüler reinkarnierte sich in Moses, und daß dieser einen besonderen Ätherleib bekommen hatte, kann man aus der Erzählung der Bibel entnehmen von dem Schilfkästchen, in dem er als kleines Kind eine Weile ganz abgeschlossen von der Welt weilen mußte im Wasser, damit sein Ich und sein Astralleib nicht durch Eindrücke von außen verwirrend auf diese subtilen Vorgänge wirkten. Das Ich des Zarathustra war mächtig und stark genug, sich bei einer neuen Inkarnation einen neuen Äther- und Astralleib zu schaffen. Nachdem er Nazarathos, der Lehrer des Pythagoras gewesen, wurde er schließlich der Jesus von Nazareth, der jetzt seine drei Körper, auch den physischen, hinopfern konnte für den Ahura Mazdao, den er immer verkündigt hatte. Der stieg jetzt hernieder und wohnte in ihm, und daher konnte Jesus in diesem Sinne sagen: Ich bin das Licht der Welt (im Johannes-Evangelium). Und das Symbol für die Haßlosigkeit, das uns auf diesem Wege Zarathustra hinterlassen hat, ist das Blut, das auf Golgatha floß. Der Haß ist der extremste Ausdruck des Ich. Und worin wohnt unser Ich? Im Blute. Sogar unser physisches Blut verändert sich, wenn diese Verhärtung, diese Verholzung des Ich, der Haß, umgewandelt wird in Haßlosigkeit und diese in Liebe. Wenn die Chemiker die entsprechend feinen Instrumente hätten, würden sie den Unterschied des Blutes zum Beispiel eines alten Inders und eines Franz von Assisi entdecken können. Auch im Physischen drückt sich diese Vergeistigung aus. Mit dem Blute, das auf Golgatha für die Menschheit floß, haben wir das Symbol der Haßlosigkeit, durch das wir umwandeln können jegliches Haßgefühl in Liebe, um es vor den Altar der schöpferischen Wesenheiten zu bringen. Der Zauberhauch, der von Golgatha ausgeht, wirkt umwandelnd auf Haß und Furcht, die Brüder sind, wie Luzifer und die ahrimanisch-mephistophelischen Wesenheiten Brüder sind.
Aufzeichnung B Haß ist der extreme Ausdruck der luziferischen Wesenheiten gegenüber den göttlich-geistigen Wesenheiten der Liebe. Beim Haß ist das Ich zu stark, es verhärtet sich in sich selbst. Die Furcht, die kommt von Ahriman, oder von Mephistopheles. Zarathustra wollte die Menschheit erziehen zur Furchtlosigkeit und zur Haßlosigkeit, darum richtete er zuerst seine Worte an Ahura Mazdao («Ich will reden von dem, was mir das Höchste ist» etc.) Und das zweite Mittel für diese Erziehung ist das große Mysterium von Golgatha! - Das Symbolum für dieses Ideal der Furchtlosigkeit und Haßlosigkeit ist das aus den Wunden des Erlösers fließende Blut; das Blut, das da darstellt den Ich-Ausdruck im Physischen. Die Meditation ist der Übergang aus der geistigen in die physische Welt, ebenso umgekehrt aus der physischen in die geistige Welt. Die Rückschau ist abends vor dem Einschlafen zu machen. Wer nicht von rückwärts nach vorwärts das macht und wer als Esoteriker überhaupt diese Rückschau nicht macht, der schiebt die geistige Welt zurück und hemmt in den geistigen Welten. Der Esoteriker darf sich fragen: «Woher komme ich?» Und die Antwort darf lauten: «Aus dem Schoß der göttlich-geistigen Wesenheiten, meiner Schöpfer!» - «Und wohin gehe ich?» - «Dorthin, in ihren Schoß zurück.» Als heiligen Moment sollen wir das Einschlafen und das Aufwachen bewußt empfinden. Aus göttlich-geistigen Welten ist uns unser physischer Leib und unser Ätherleib gegeben von den göttlich-geistigen Wesenheiten, darum sollen wir nicht mit Hochmut und nicht mit Herabsehen darauf blicken, sondern mit heiliger Ehrfurcht. Weil der Astralleib empfänglich ist für die Einflüsterungen von Luzifer und Ahriman, darum gilt es stets wachsam zu sein. Luzifer gibt uns die Selbständigkeit, aber auch die Möglichkeit zu Irrtum und Bösem verdanken wir ihm. Ahriman hüllt uns in Furcht. Deshalb verunreinigen wir zwischen Wachen und Schlafen immer wieder diese Leiber.
ESOTERISCHE STUNDE