Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — München, 1909-12-05
den physischen Leib ein Ich der Geister der Persönlichkeit, die auf dem Saturn ihn schufen, in den Ätherleib ein Ich der Erzengel. Unser eigenes Ich geht dafür in die Welt der Geister der Persönlichkeit, der Astralleib in die der Erzengel. Unbewußt leben sie in diesen Welten, und wir sollen bewußt in unserer Meditation diesen Prozeß durchmachen, bewußt in diese Reiche eingehen mit Ich und Astralleib und den Ätherleib mit hinüberziehen. Wie ein magnetisches Fluidum muß es uns bei unserer Meditation in die geistigen Welten hinüberziehen; dann sind wir in der richtigen Gedankenverfassung. Aber nicht auf die Worte selbst kommt es so sehr an, sondern daß der richtige Sinn aus den geistigen Welten in sie hineinströmt; daß sie sinnerfüllt durch die Christus-Kraft sind, darauf kommt es an. In den esoterischen Stunden werden die Worte so gewählt, daß sie ganz unpersönlich wirken, sobald sie die Lippen des Lehrenden verlassen haben. Denn sie sollen ein Kleid abgeben, in das der die Welt durchströmende Logos sich hüllen kann. Diesen Strömungen des Logos müssen die Worte sich anpassen. Deshalb werden sie in ganz bestimmter Weise gesetzt. Es werden zum Beispiel für manche Begriffe zwei Ausdrücke gewählt, weil einer allein den Sinn dessen, was ausgedrückt werden soll, nicht wiedergäbe. Wenn man zum Beispiel sagt: «Das geistig-göttliche Leben durchlebt die ganze Welt», so drückt man die entsprechende Tatsache nicht genügend aus. Wenn man hingegen sagt: «Das geistig-göttliche Leben durchlebt und durchwebt die Welt», so hat man zwischen diesen zwei Ausdrücken ein Bild dessen, was gesagt werden soll. Unsere Ausdrucksweise ist vielfach ungenau und gibt das unrichtig wieder, selbst, was auf dem physischen Plane geschieht. Wenn man zum Beispiel das Hervorsprießen der Blüten, des Grünen im Frühling mit einer Geburt, das Welken der Blätter und Blumen im Herbst mit einem Sterben vergleicht, so ist das eine Ausdrucksweise, deren ein Esoteriker sich nicht befleißigen sollte, denn es gibt das nicht wieder, was in Wirklichkeit in der Natur vorgeht. Einen wahren Begriff davon können wir erhalten, wenn wir diesen Vorgang im Frühling vergleichen mit unserem Erwachen des Morgens. So gestärkt und erfrischt, wie wir da zu einem neuen Tage, zu unseren alten Freuden und Schmerzen zurückkehren aus einem dunkeln Unterbewußtsein, in das wir hinabgetaucht waren, so empfinden und fühlen die geistigen Wesenheiten, die das grüne Pflanzenkleid der Erde hervorziehen aus dem Dunkel, in welches im Herbst das Samenkorn in den Schoß der Erde gesunken war. Wenn wir uns im Frühling diesen Gedankengängen hingeben, so werden wir dem Geiste der Erde näher kommen und werden auf richtige Weise eindringen in die geistigen Welten. Wir werden dann hinter allen Naturerscheinungen das Geistige bemerken. Wenn wir sehen, wie ein Blitzstrahl einen Baum spaltet, so sollen wir beim Blitze an die Erzengelwesenheit denken, beim rollenden Donner an eine geistige Wesenheit aus den Welten des tönenden Lichtes, an die Geister der Persönlichkeit. Nicht durch die allgemeine Redensart von der «Vereinigung mit dem Göttlichen in uns» erreichen wir diese, denn nicht in uns werden wir das Neue, das Höhere finden: außer uns liegen die Welten, in die wir bewußt eindringen sollen.
Cite:
GA 266a/1909-12-05/p004 · edition original