Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Hamburg, 1910-05-25

GA 266b/1910-05-25/p003 ·1910-05-25 · original (original)
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Gedächtnisaufzeichnungen von Teilnehmern» (Participants' records written from memory). Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one.

* Aufzeichnung B Es wird zuerst der Geist des Tages angerufen: Merkur. In dem esoterischen Leben zeigen sich Erscheinungen, die eine große Bedeutung haben für den Esoteriker. Wenn wir die vorangehenden Stunden auf uns haben wirken lassen, ist es nötig, noch diese letzte zu empfangen, um sie zu einem Ganzen zu verbinden. Im gewöhnlichen äußeren Leben ist es die Welt selber, die die Fehler korrigiert, die wir durch unsere angeborene Veranlagung mitgebracht haben; aber im esoterischen Leben bekommen unsere Eigenschaften und Anlagen eine ganz andere Bedeutung. Ja, es geht so weit, daß das Wort, das die [betreffende] Eigenschaft bezeichnet, nicht einmal das Charakteristische dieser Eigenschaft mehr ausdrückt. Es ist uns gesagt worden, daß Hochmut, Eitelkeit, Stolz gefährlich sind; aber wenn der Mensch, ohne nach Gleichgewicht zu streben, diese Eigenschaften ganz von sich loslösen möchte, würde er sein Selbstgefühl verlieren. Sein Ich zerfließt, und er wird zu einem Menschen ohne Inhalt. Auf der anderen Seite wirkt diejenige Eigenschaft, die man Liebe nennen könnte, ebenso gefährlich. Der Mensch, der immer nur geneigt ist, Liebe zu geben, und glaubt, allen Menschen helfen zu müssen, fällt in das andere Extrem, daß er immerfort mit sich selbst beschäftigt ist und sich in seinem Ich einspinnt. Wenn Eigenschaften sich zeigen, sind immer zwei sich entgegenarbeitende Kräfte im Spiel. Würde es nur Liebe als das Höchste in der Welt geben, so wäre überhaupt nichts da; die Gegenkraft muß immer das Gleichgewicht bewirken. So soll heute hingewiesen werden auf Kräfte oder Wesen, die in uns wirken und jene eigentümlichen Zustände in uns hervorrufen, die jeder Esoteriker kennt. Der erste Zustand ist der einer Mißstimmung, einer Mißstimmung, die anscheinend ohne jeden Grund heraufzieht, die in jeder Kleinigkeit einen Grund finden und die zu solcher Heftigkeit ausarten kann, daß die ganze Natur eines Menschen verwandelt erscheinen kann. In diesem Falle haben wir es mit Wesen zu tun, die zu der Hierarchie der Urkräfte gehören, die heilbringende Wesen sind, wenn sie auf ihrem eigenen Gebiet bleiben; aber wenn sie außerhalb ihres Gebietes treten, in das der Hierarchie der Geister der Form, so wirken sie zum Schaden. Sie werden «Geister der Schwere» genannt, und sie sind es, die uns beim Aufwachen helfen, uns zum Irdischen hinunterziehen. Das gibt uns oft dieses Gefühl der Schwere, der Trägheit beim Aufwachen. Aber wenn wir noch die Mißstimmung dazu fügen, dann wirken diese Geister im nachteiligen Sinne auf uns ein und machen alles schwer und dunkel für uns. Sie wirken dann auf den physischen Leib ein und erfüllen ihn mit Schwere, so daß man wie an die Erde gefesselt ist. Wenn das Ich sich dem nicht widersetzt und nicht die Gefahren ahnt, die ihm da drohen, dann beherrschen diese Geister auch unser Ich; der Mensch wird machtlos, er verfällt in Hypochondrie. Ein jeder weiß, wie schwer Hypochondrie zu heilen ist. Diese Krankheit deutet immer auf eine Wirkung aus einem früheren Leben als Esoteriker, denn in einer Inkarnation kann sie nicht entstehen. Wenn die Geister der Schwere sich so unser bemächtigt haben, so zeigt sich das in Krankheiten des Unterleibes und der Verdauungsorgane. Jetzt müssen wir uns auch noch bekanntmachen mit den Geistern des Lichtes, die ebenso, wenn sie auf ihrem eigenen Gebiete bleiben, als heilsame Kräfte tätig sind, die aber, wenn sie außerhalb ihres Gebietes treten und sich hineinbegeben in das Gebiet der Geister der Bewegung, dem Menschen Unheil bringen. Das ist der Fall, wenn zum Beispiel ein Mensch sich einbildet, er müsse der Menschheit helfen, wenn er ganz in Liebe aufgehen will, während er eigentlich die Begierde hat, ohne Mühe höher steigen zu wollen. Dann kommen diese Geister des Lichts, dringen in den Menschen ein und bringen ihn zur Schwärmerei, so daß sich alle Vorstellungen in Unwahres verwandeln. Der Mensch denkt, daß er eine Kraft zum Guten sei, daß er die Welt bessern müsse. Wenn man unter die Herrschaft dieser Geister gerät, dann ist das Ich so ganz von sich selbst erfüllt, daß es die Dinge außerhalb von sich nicht mehr im richtigen Verhältnis sehen kann, und schließlich verfällt der Mensch in einen Zustand, daß sein Leib beeinflußt wird, und zwar wird sein Gehirn zerstört. Wenn er aber gegen diese Kräfte reagiert, zu begreifen versucht, daß alles nur Einbildung ist, [wenn er glaubt,] daß er den andern helfen könne und so weiter, wenn er viel mehr versucht, seine Kräfte von diesem Liebesbetätigen abzulenken und jede Begierde nach Fortschritt in sich zu unterdrücken, im Vertrauen, daß die richtige Reife sich zur richtigen Zeit einstellen wird: dann wirken diese Geister als heilsame Kräfte und bringen uns Schritt für Schritt weiter zum Lichte hin. Sie sind es, die uns abends beim Einschlafen helfen, uns zum Lichte zu bringen. So sollen wir immer auf der Hut sein vor diesen beiden Kräften; und wenn sie sich in unseren Gefühlen zeigen, sollen wir sofort wachsam sein und unsere Aufmerksamkeit auf uns selber richten. Wenn wir eine Verstimmung haben und immer wachsam dagegen gekämpft haben, dann wird der Augenblick kommen, wo wir unseren Leib wie gerädert fühlen, daß er uns schmerzt bis ins Mark hinein, und das wird uns dann der Beweis sein, daß wir gesiegt haben. Und wenn wir zur Schwärmerei hinneigen, wie hier geschildert wurde, und wir haben mutig dagegen gekämpft, dann kommt ein Gefühl in uns, als ob wir keine Beine mehr hätten, um darauf zu stehen, als ob unser Körper zu leicht wäre, daß ihn der Boden festhalte; und das ist der Beweis, daß wir im Kampfe mit den Geistern des Lichtes gesiegt haben. Das sind die Folgen der richtig vollzogenen Übungen; und anstatt daß man ängstlich wird oder verstimmt, sollten sie uns ermutigen, tapfer vorwärtszugehen. Wenn man allmählich einsehen lernt, wie man immer von allen Seiten von Kräften umgeben ist, die auf den Menschen wirken, dann lernt man in vollem Selbstbewußtsein den Tag durchleben und das Gleichgewicht herstellen zwischen all diesen Wirkungen. So wird man auch besser verstehen das Schlußwort unserer Betrachtungen, deren erste Hälfte den Geist der Schwere darstellt: Im Geiste lag der Keim meines Leibes ... und die zweite Hälfte den Geist des Lichtes: In meinem Leibe liegt des Geistes Keim ...

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