Esoterische Stunde

GA 266b/1910-06-20 · 1910-06-20 · original · 22 passages · 1354 words
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## GA 266II — 20 June 1910, Oslo

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Aufzeichnung A

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Gebet an den Geist des Montag:

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> Großer umfassender Geist, > in Deinen Lebensformen leuchtete Empfindung ...

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Zur Unterstützung bei unseren Meditationen haben wir helfende Gedanken, die in allen zu Recht bestehenden esoterischen Schulen gegeben wurden, und die, wenn Sie sie in Bildern vor sich hinstellen und sie auf sich wirken lassen, sich meditativ in sie versenken, von unendlichem Wert sind. Bei diesen Gedanken ist es nicht wie bei unseren gewöhnlichen, alltäglichen, sondern wenn wir uns mit ihnen beschäftigen, so haben sie keimende, erweckende Kräfte für uns.

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Ein solcher Gedanke ist folgender: Wie wir unser Bewußtsein als Wach- und Schlafbewußtsein kennen, so stellen wir uns das [Bewußtsein] der an uns arbeitenden umgebenden Geister der Erde vor, wenn wir sagen: im Mineralreich schlafen die Erdgeister; die Pflanzen sind ihre wachenden Gedanken und ihr Leben; die Tiere sind ihre Träume. Wenn wir uns in diesen Gedanken versenken und uns zum Beispiel vorstellen, was unsere Gedanken sind: hinhuschende, nebelhafte Gebilde, und diese vergleichen mit denen der Erdgeister, so empfinden wir den ungeheuren Abstand. Ihre Gedanken sprossen als die grüne Pflanzendecke in unendlicher Mannigfaltigkeit aus der Erde hervor. Ihre Gedanken sind also schaffende Kräfte in der physischen Welt. In vergangenen Evolutionen der Erde machten diese Geister einmal wie wir die Menschheitsstufe durch. Damals dachten sie in der Art, wie wir jetzt denken. Sie haben sich höher- und höherentwickelt und sind zu schaffenden Wesenheiten geworden. Wir haben in ihnen das vor uns, nach dem wir streben sollen.

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Wir müssen immer bedenken, daß wir durch unsere okkulte Entwicklung anders werden als andere Menschen. Unsere Interessen verändern sich, und man kann oft die Klage hören von Esoterikern, daß sie das Interesse für vieles schwinden fühlen, das sie vorher interessierte und daß eine innere Öde und Leere sich bei ihnen geltend mache. Das ist aber ein ganz normaler und schnell vorübergehender Zustand. Und die Leere ihrer Seele wird bald mit Interessen ausgefüllt werden, die ihnen hundert-, ja tausendfach die anderen ersetzen. Wir sollen aber trotzdem nicht den Zusammenhang mit den anderen Menschen, mit den Interessen, die uns früher erfüllten, aufgeben, sollen vor allen Dingen nicht von anderen Menschen verlangen, daß sie den Kreis ihrer Interessen verändern. Der Unterschied zwischen dem exoterischen und esoterischen Menschen ist ja der, daß der exoterische Mensch seinen physischen Körper fest mit seinen anderen Körpern durchdringt, sozusagen alles nach der äußeren Oberfläche drängt. Der gewöhnliche Mensch, der in ein Volk, eine Familie hineingeboren wird, ererbt dadurch gewisse Begriffe über Gut und Böse, über Wahrhaftigkeit und andere Tugenden, die die schaffenden Gottheiten im Laufe der Entwicklung in sie legten. Der Esoteriker wird allmählich aus eigener Erkenntnis nach diesen Tugenden leben. Aber er darf sich nicht über die Begriffe, welche in den Menschen darüber herrschen, hinwegsetzen; denn da könnte er in ernste Gefahren geraten, was seine Entwicklung anbelangt. Bei ihm wird ja der innere Mensch vom äußeren allmählich losgelöst. Seine höheren Teile lassen seine niederen allein, und wenn er nun die gewöhnlichen Gesetze der Menschheit, zum Beispiel über Wahrhaftigkeit, nicht beachtet, so kann er in eine Lügenhaftigkeit hineingeraten, die ihm natürlich in der Entwicklung hinderlich ist und die viel Schaden stiften kann. Alle die Mißstimmungen und Zwistigkeiten, auch unter den Esoterikern, sind auf dies zurückzuführen.

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Wir lassen aber nicht nur einen Teil unseres Ätherkörpers und unserer Empfindungsseele allein - in der Empfindungsseele beginnen wir mit der esoterischen Arbeit -, sondern auch sozusagen unseren physischen Körper, und wir erleben alle möglichen Zustände, auch Krankheiten, in diesem. Zustände, die wir bis jetzt nicht kannten, befallen uns, die wir aber deshalb noch nicht für Krankheiten zu halten und deshalb gleich zu einem Arzt zu laufen brauchen; denn ein exoterischer Arzt kann einem natürlich für diese Zustände nichts geben, und sie vergehen auch von selbst. Andererseits soll man nicht jede Krankheit, die einen befällt, für eine durch die okkulte Entwicklung verursachte halten und meinen, daß einen nun kein Arzt mehr behandeln kann. Das ist ein geistiger Hochmut. Man kann sich noch lange von einem Arzte Rat holen in seinen Erkrankungen. Der Esoteriker soll auf seine Gesundheit stets in der richtigen Weise achten.

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Niemand sollte sich durch die Schwierigkeiten, die einem begegnen können und die durch die Lockerung des Ätherkörpers eintreten, aus Feigheit oder Faulheit von der Entwicklung abhalten lassen. Diese Lockerung ist etwas, das eintreten muß, wenn man in die höheren Welten eindringen will. Und wenn wir mit ernstem Streben danach ringen, so wird uns der Meister der Weisheit und des Zusammenklanges der Empfindungen mit seiner Kraft entgegenkommen und uns seine Hilfe nicht versagen.

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Wenn nicht in diesem Leben, so ganz gewiß im nächsten werden wir das Ziel, geistig zu schauen, erreichen.

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Aufzeichnung B

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Es gibt noch andere Hilfsmittel,[^1] die einen verhältnismäßig rasch zu einer tieferen Einsicht in die geistigen Zusammenhänge führen können, und das sind die folgenden drei Sätze:

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> Im Mineralreich schlafen die Götter; > im Pflanzenreich träumen sie, > im Tierreich wachen und denken sie.

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Um zuerst das Tierreich zu nehmen, müssen wir uns vorstellen, daß die geistigen Wesenheiten früher auf unserer Stufe gestanden haben und damals ebenso wie wir jetzt verwirrte Gedanken hatten, während sie jetzt so weit gekommen sind, daß ihre Gedanken so regelmäßig und bestimmt geworden sind, daß diese dasjenige vor uns ausbreiten, was wir als die Tierwelt sehen. Wenn wir uns in solche Vorstellung vertiefen, dann wird der Verlauf, den unsere Gedankenentwicklung nehmen wird, in uns sich festigen, und wir werden dadurch in näheren Zusammenhang kommen zu den Wesen, die in die Erde ihre Gedanken hineingelegt haben, zu jenem Wesen auch, das in die Erde jene Kraft gelegt hat, die in ihrer Gesamtheit die Christus-Kraft ist.

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Als Esoteriker erleben wir große innere Umwandlungen, die im wesentlichen darauf hinausgehen, unser Ich leibfreier zu machen, bis wir das Ich zuletzt als ein höheres oder zweites Ich in uns wahrnehmen.

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Im Vergleich zum Exoteriker entwickeln wir als Esoteriker in unserem astralischen Leibe ganz andere Gefühle und Empfindungen. Moralische und ethische Impulse kommen jetzt von innen heraus, während sie früher als bestimmte, festgesetzte Normen, durch Religion oder menschliche Gesetze vorgeschrieben, von uns nachgelebt wurden. Durch diese neue Art des Erlebens wird allmählich der Zusammenhang zwischen dem Ich und dem gewöhnlichen Astralleib gelockert, und die Gefühle werden dadurch selbständiger, mehr von innen heraus. Das kann die Folge haben, daß der Mensch zunächst unmoralischer erscheinen kann als der gewöhnliche Durchschnittsmensch, währenddem er damit beschäftigt ist, sich aus den hergebrachten Gefühlen und Empfindungen herauszuarbeiten.

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Auch der Ätherleib wird allmählich gelockert; Gewohnheiten, Vorurteile, Verhältnisse wandeln sich und widersetzen sich demjenigen, was von außen herein durch den Geist der Zeit und die landläufigen Begriffe uns aufgedrungen wird. Was früher für wahr gehalten wurde, erscheint uns jetzt lügenhaft, außer Verhältnis, und man kommt leicht in Konflikt mit der Außenwelt. In jener Übergangszeit geschieht es vielfach, daß der Mensch selber weniger wahrhaftig wird, daß er die Verhältnisse nur schief betrachten kann und so weiter.

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Auch im physischen Leibe finden große Veränderungen statt, die man nennen könnte ein Lockererwerden des Leibes, wodurch ein Gefühl der Erkrankung in allen möglichen Körperteilen auftreten kann. Der Mensch glaubt dann, daß sein Leib kränklicher oder gebrechlicher wird, und in der Übergangszeit mag es auch wirklich so scheinen; aber man wird schon bemerken, daß man diese «Krankheiten» nicht mit den früheren Heilmitteln kurieren kann.

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Die Gefahren der Lockerung der Leiber liegen darin, daß man eine große Mißachtung bekommen kann für die menschlichen und weltlichen Verhältnisse, wodurch man aber nur noch tiefer in die Täuschung hineingeführt werden würde. Was wir tun sollen, ist, eine Art Durchschnittsmaßstab anlegen; und das können wir, indem wir immerfort mit inniger Pietät und Bewunderung aufschauen zu demjenigen, was die Menschen, eben durch die Hilfe geistiger Wesenheiten, die ihnen von außen her ward, geleistet haben, indem wir die Großartigkeit einsehen jener geistigen Wirkungen auf den noch innerlich unerwachten Menschen. So können wir den höheren Weg der Selbstbewußtheit erkennen, und indem wir uns zwischen beide Extreme hineinstellen, können wir dem noch erst weniger zur Bewußtheit gelangten Menschen eine Hilfe im Fortschritt sein.

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[^1]: Dieser Formulierung liegt zugrunde, daß in der Vorlage dieser Aufzeichnung ein Text vorangestellt ist, der wortwörtlich die Ausführungen vom 18. Juni 1910 (Aufzeichnung B) beinhaltet.

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Cite: GA 266b/1910-06-20 · edition original