Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — München, 1910-08-26
## GA 266/2 — 1910-08-26, München
München, 26. August 1910 Aufzeichnung Α In demselben Sinne wie das vorige Mal wollen wir auch heute den Geist des Tages anrufen. Es ist als ein besonderes Glück anzusehen, wenn eine esoterische Stunde an einem Freitag abgehalten werden kann. Folgt der Spruch für den Geist des Freitags. Großer umfassender Geist, in Deinem Leben lebe ich mit der Erde Leben ... In der Nacht sind wir mit unserem Astralleib und Ich in göttlichen Äthersphären, aus denen wir uns Kraft für unser physisches Leben herunterholen. Verbunden sind wir mit göttlichgeistigen Wesenheiten dort. Deshalb sollten wir niemals, wenn wir des Morgens aufwachen, sofort banale alltägliche egoistische Gedanken haben. Wir schneiden uns dadurch ab von den geistigen Wesenheiten und Kräften, in die wir während des Schlafes untergetaucht waren. Sondern ehe wir an irgendeine Verrichtung des täglichen Lebens, an irgendeinen Gedanken des physischen Daseins herangehen, sollten wir uns unserer Meditation hingeben, während welcher wir in Selbstvergessenheit in jene Regionen untertauchen. Zur heiligen Pflicht sollte es sich jeder Meditant machen, gleich nach dem Erwachen seine Meditation vorzunehmen, oder es sollte doch jedenfalls sein erster Gedanke sein, dankbar an die hohen Wesenheiten zu denken. Eine noch heiligere Pflicht, wenn es eine solche geben kann, sollte es für jeden esoterischen Schüler sein, sich klar zu machen, wie er nicht nur sich, nicht nur seinen Mitmenschen, sondern auch den höheren geistigen Wesenheiten ein großes Unrecht zufügt, wenn er mit unreinen Gedanken und Gefühlen an die Meditation herangeht. Er verunreinigt dadurch die geistigen Sphären. Die Kräfte, die angewandt werden müssen, um diese Verunreinigung wieder zu beseitigen, werden dem Fortschritt der Menschheit entzogen. Man kann mit ziemlicher Konzentration seine Übungen und Exerzitien durchführen und doch dabei in sich unheilig sein. Dieses Durchführen der Meditation ist lediglich Sache des Willens. Der soll selbstverständlich gefestigt und entwickelt werden. Aber dabei muß das ganze innere Leben geheiligt werden, so daß nur Heiliges, Hohes während der Meditation in unserer Seele lebt. Wie man nicht mit unreinen Gefühlen und Gedanken in die Meditation hereingehen soll, so soll man auch nicht mit solchen Gedanken abends in den Schlaf übergehen. Auch dadurch bringen wir Unreinigkeit in die göttlichen Sphären, wenn wir Gedanken des Hochmuts, der Eitelkeit und des Stolzes in die göttlichen Welten mit hinübernehmen. Mit Gedanken der Ehrfurcht und des Dankes für die göttlichen Wesenheiten sollten wir einschlafen, denn nicht eine Minute könnten wir länger leben, während unser Astralleib und Ich im Schlafe heraußen sind, wenn nicht göttlich-geistige Wesenheiten unseren physischen und Ätherleib währenddessen erhielten. Mit Ehrfurcht vor den großen göttlichen Wesenheiten sollten wir einschlafen. Der Esoteriker unterscheidet sich von dem Exoteriker dadurch, daß Gott bewußt in ihm lebt, daß er die Gotteskraft wirklich in sich wirksam werden läßt. Das geschieht nicht durch die Vorstellungen, die er sich von Gott macht. Gerade durch diese Vorstellungen kann der Mensch sich schaden, wenn er später eingeht in die höheren Welten. Er will dort zum Beispiel den Christus so finden, wie er sich eben seine Vorstellungen von ihm gemacht hat, und erkennt darüber den wahren Christus nicht; denn der ist anders als jede noch so hohe Vorstellung, die man sich über ihn machen kann. Hochmut, Stolz, Eitelkeit sind Eigenschaften, die gerade ein Esoteriker vor allen Dingen ablegen sollte. Auch derjenige esoterische Schüler, der meint, Hochmut, Stolz und so weiter schon abgelegt zu haben, muß wissen, daß diese Eigenschaften immer noch in feinerer Weise vorhanden sind. Schon allein in dem
Gedanken, diese Eigenschaften abgelegt zu haben, sehr weit in der Entwicklung fortgeschritten zu sein, liegt eine gewisse Eitelkeit, die viel schlimmer ist als Eitelkeit im äußeren Leben, weil sie verstärkt ist und sich auf höhere geistige Dinge bezieht. Auf ein klares, logisches, richtiges Denken können wir stolz sein.* Wir leben in einer besonderen, hochwichtigen Zeit. Es ist die Zeit der Vorbereitung auf den Christus, der im Ätherischen erscheinen, sichtbar werden wird. Um seiner teilhaftig zu werden, ihn dort schauen zu können, dafür müssen wir uns vorbereiten. Die Menschen, die nicht das Glück haben, jetzt an die Theosophie heranzukommen, werden dieses Ereignis nicht erleben können. Entstanden sind wir aus höheren geistigen Kräften heraus, wie wir dies diese Tage hindurch gehört haben. Aus dem göttlichen Schoße sind wir herabgestiegen. Göttlichen Ursprungs sind wir. So können wir aus dieser Erkenntnis heraus den rosenkreuzerischen Spruch vor unsere Seele stellen: Ex Deo nascimur - aus Gott sind wir geboren. Aber gleich dabei soll ein Satz stehen, der uns viel kleiner gestimmt macht; wir sollen uns ganz aufgeben und verlieren, uns hingeben an den Christus. Und wenn diese Stimmung so recht in unserer Seele lebt, so können wir dem Ex Deo nascimur hinzufügen: In Christo morimur - in Christus sterben wir. Und einen weiten Ausblick darauf, wie wir den Geist, den Heiligen Geist bewußt in uns entwickeln können, gibt uns der Satz des Rosenkreuzerspruches, der auf die ersten beiden Sätze folgt: Per Spiritum Sanctum reviviscimus - im Heiligen Geist werden wir wieder und wieder leben. Und wenn wir diesen Rosenkreuzerspruch als Grundstimmung unserer Meditation zugrunde legen, dann werden wir mit allem Verständnis und mit heiligen Gefühlen den Spruch in uns aufnehmen, der da lautet: Im Geiste lag der Keim meines Leibes ... * In einer anderen Vorlage heißt es hier: «Wohl können wir stolz sein auf ein richtiges, klares, logisches Denken - aber nur dann, wenn es absolut subjektivlos ist!»
* _____________ Aufzeichnung B Wachen und Beten soll der Esoteriker lernen. Wachen vor allen schlechten Einflüssen, die da eingreifen wollen, wenn eine selbständige Umgestaltung der Leiber vorgenommen wird, und der Mensch sich dann vorbereitet, selbständiger Genosse der schaffenden Geister zu werden. Da treten viele Kräfte und Wesen an den Menschen heran, die ihn fortreißen wollen davon. Leicht verfällt der Mensch Täuschungen. Ein okkulter Satz gegen alle Täuschungen: Aller Weg in die geistige Welt geht durchs Herz. Das Herz ist der Mittelpunkt der geistigen Bewegung. Das Gehirn der Mittelpunkt der intellektuellen Bewegung. Man kann während der Meditation fühlen, wie von jedem Punkte des äußeren physischen Leibes Kraftströmungen gehen nach einem Mittelpunkte. Dieser ist das Herz . Im weiteren Verlauf gehen diese Strömungen nach der entgegengesetzten Richtung hinaus über die Hautgrenze und hinein in die geistige Welt. Das ist das Fühlen des Christus in sich. Und das ist zugleich ein Zeichen, daß keine Täuschung vorliegt (auch die Gebärde ).* Vom Sternbild des Löwen fließen Kräfte aufs Herz. Auch von der Sonne strömen Kräfte aufs Herz. Auch die Feuergeister wirken aufs Herz. Alle Drei werden oft als Symbole für das Herz gebraucht: Löwe, Sonne, Flammen. Beten: sich in der rechten Weise mit seinen Herzkräften vereinen. Wachen: Der Esoteriker soll sich klar machen, daß er nicht nur sich, nicht nur seinen Mitmenschen, sondern auch hohen geistigen Wesen ein großes Unrecht zufügt, wenn er mit unreinen Gedanken und Gefühlen an die Meditation herangeht. Er verunreinigt dadurch die geistigen Sphären. Und die Kräfte, die angeordnet werden müssen, um diese Verunreinigung wieder zu beseitigen, werden dem Fortschritt der Menschheit entzogen. Man kann mit ziemlicher Konzentration seine Übungen vornehmen und doch dabei in sich * Ob die Krebs-Gebärde hier zu Recht erscheint, ist fraglich, da sie aus dem Zusammenhang heraus nicht verständlich ist
_____________ unheilig sein. Dies Durchführen der Meditation ist lediglich Sache des Willens. Der soll selbstverständlich gefestigt, entwickelt werden, aber dabei muß das ganze innere Leben geheiligt werden, so daß nur Heiliges, Hohes in unserer Seele lebt während unserer Meditation. Und wie man mit reinen Gedanken und Gefühlen in die Meditation hereingehen soll, so soll man auch mit solchen in den Schlaf übergehen. Gedanken des Hochmutes und der Eitelkeit verunreinigen die geistige Welt während des Schlafes. Mit Gedanken der Ehrfurcht und des Dankes für die göttlichen Wesenheiten sollen wir einschlafen. Der Esoteriker unterscheidet sich vom Exoteriker dadurch, daß der Gott in ihm lebt, und daß er die Gotteskraft in sich wirksam werden läßt - nicht die Vorstellungen, die er sich von Gott macht. Gerade durch diese Vorstellungen kann der Mensch sich schaden, wenn er später eingeht in die höheren Welten. Er will zum Beispiel seinen Christus so finden, wie er sich eben die Vorstellung von ihm gemacht hat und erkennt darüber den wahren Christus nicht, denn er ist anders, als jede noch so hohe Vorstellung, die man sich über ihn machen kann. Hochmut, Stolz, Eitelkeit sind Eigenschaften, die gerade ein Esoteriker vor allen Dingen ablegen sollte. Auch wenn man meint, sie abgelegt zu haben, sind diese Eigenschaften immer noch in feinerer Weise vorhanden. Schon allein in dem Gedanken, diese Eigenschaften abgelegt zu haben, weil man schon so weit in der Entwicklung ist, liegt eine gewisse Eitelkeit, welche schlimmer ist als Eitelkeit im äußeren Leben, weil sie dadurch, daß sie sich auf geistige Dinge bezieht, verstärkt ist. Wachen und Beten muß der Esoteriker im rechten Sinne lernen.
* Aufzeichnung C Gebet an den Freitagsgeist. Dieses ist besonders wirksam. - Großer umfassender Geist, in Deinem Leben lebe ich mit der Erde Leben ... Nach dem Aufwachen des Morgens sollen wir baldmöglichst streben, wieder in die geistigen Welten zurückzutauchen in unserer Meditation. Des Abends vor dem Einschlafen sollen wir uns vorbereiten dafür, daß wir in die geistigen Welten eintreten werden, aber nicht durch Gebete mit irgendeinem egoistischen Wunsche, wie um ein seliges Ende oder so etwas. Nichts Unreines sollen wir hereinbringen in die Ätherwelt. Durch Intensität des Willens kann man allerd ings eindringen in diese, auch unrein, aber dann sind unsere Erlebnisse rein wertlos. Es ist von großem Vorteil, in der Jetztzeit ins esoterische Leben zu kommen. Dies ist günstiger als in jeder anderen Inkarnation. In zwanzig Jahren werden viele das Christus-Ereignis im Ätherischen erleben, und deshalb müssen wir mit tiefstem Ernst und mit größter Intensität streben, daß wir es rein erleben, denn viele erleben nur ihre eigenen Bilder des Christus.
ESOTERISCHE STUNDE