Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Berlin, 1910-11-05

GA 266b/1910-11-05/p003 ·1910-11-05 · original (original)
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Gedächtnisaufzeichnungen von Teilnehmern» (Participants' records written from memory). Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one.

Erscheint dem Schüler eine Gestalt aus früheren Zeiten und will er sie sich gleich deuten, so ist das ganz verkehrt. Warten muß er können mit der Deutung. Nicht in der Gegenwart soll der Schüler deuten, sondern erst später. Tritt ein solches Bild vor unsere Seele, so zerstiebt es, sobald wir mit unseren Gedanken darankommen. Ist es aber ein echtes Bild, so wird es später wieder vor uns auftauchen und dann stehenbleiben in seiner wahren Gestalt, und wir werden wissen, was es zu bedeuten hat. Aber warten müssen wir können, warten und schweigen. So wie wir selbst mit unseren eigenen Gedanken nicht an die Erlebnisse herantreten sollen, so sollen wir noch viel weniger darüber sprechen. Als etwas Heiliges sollen wir unser ganzes geistiges Leben betrachten und behandeln. Bei all diesen Erlebnissen von Tönen und Farben und so weiter müssen wir uns sagen, daß sie nicht aus dem Geistigen, sondern aus unserem eigenen Innern kommen, aus unserem eigenen Ich, das durchwogt ist vom Meer der Begierden und Leidenschaften, wie die Arche Noah umwogt war vom Meer. Und wir müssen in der Überzeugung leben, daß all diese Erlebnisse und Erscheinungen nichts Geistiges sind. Indem wir uns dies ganz klar und unerbittlich sagen, müssen wir gleichsam unser Ich fortgeben, das Begehren unseres Ich nach Erlebnisinhalten aufgeben, gleichsam fortfliegen lassen, wie aus der Arche Noah die Taube fortgelassen wurde und nicht wiederkam. Dann aber kommt später ein anderes okkultes Erlebnis des Schülers. Wenn wir eingesehen haben, daß nichts, gar nichts Geistiges an jenen Erlebnissen der Töne und Farben ist, wenn wir mit innerer Kraft erkannt haben, daß die geistige Welt ganz leer ist für uns, dann erkennen wir, daß jene Erlebnisse doch eine Bedeutung haben, eine Bedeutung für uns selbst. Es werden die Farben zu Warnern und Beratern; sie sagen uns das, was wir noch nicht haben, was wir noch zu erringen haben. Aus den Tönen erkennen wir, daß sie wiedergeben leibliche Gelüste. Und wenn die Bilder, die wir ruhig haben wirken lassen, uns ihre Bedeutung sagen, dann wird die Seele bereichert durch solche

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