Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Berlin, 1910-11-05
* vielmehr verschwinden. Sobald ein Lautcharakter vorliegt, muß man sich sagen: Das ist eine Versuchung, andere Stimmen als die aus der geistigen Welt anzuerkennen und ihnen zu folgen! Der Geist aber spricht niemals im Lautcharakter zu mir. Wir werden mit der Zeit erfahren, daß die Seele sich durch die Meditationen verändert, und das, was wir durch diese Veränderungen erfahren, kann sich uns in einem gewissen Tönen zeigen. Auch das aber dürfen wir nicht für eine wahre Inspiration halten, es ist in Wirklichkeit weiter nichts als das okkulte Rabengekrächze unserer Wünsche und Begierden, - Widerspiegelungen unseres Leibesinnern. Dies okkulte Rabengekrächze wird überwunden, wenn ich den Raben fortschicke. Daher müssen wir bei den ersten Mitteilungen, die wir erhalten, immer uns sagen: Das ist nur unser eigenes Innere, das sich so spiegelt. Diese Trugbilder sind in der Tat eine Gefahr, doch sollen wir uns deshalb nicht entmutigen lassen, indem wir sagen: Nun bin ich schon fünf Jahre oder länger an der Arbeit und habe noch immer nichts Positives erlebt! Vielmehr müssen wir unsere Versuche immer wieder und wieder fortsetzen, bis wir zu einem positiven Ergebnis kommen. Der Mensch kleidet seine Erlebnisse in der physischen Welt in Formen, Farben, Töne ein. Die geistige Welt äußert sich jedoch nicht in Farben, Formen und Tönen im physischen Sinne. Der Mensch muß daher eine Umkehrung seines Selbstes durchmachen, um sehend in der höheren Welt zu werden, und dazu braucht er innere Kraft. Ja, wir müssen erkennen lernen, daß wir selbst es zunächst sind, die die Farben und Gestalten (imaginative Bilder) herbeiführen. Kühn, mutig müssen wir uns das bekennen. Die vermeintlichen Stimmen sind da meist nur der Ausdruck unbehaglicher Stimmungen des Leibes; bei den Fleischessern ist das in noch erhöhtem Maße der Fall. Es muß aber das feste Vertrauen in mir bestehen bleiben, daß früher oder später auch solche Farben und Töne erscheinen werden, die nicht nur der Ausdruck des unbehaglichen Leibesinnern sind, sondern wirklich aus der geistigen Welt stammen. Die Taube des eigenen Geistes darf uns nicht mehr leer zurückkommen, wenn sie einmal fortgeflogen ist! Wir müssen es lernen, die symbolische Sprache, die uns aus den geistigen Sphären entgegentönt, zu deuten. Dann kommt die Taube unseres Geistes nicht mehr leer zurück, sondern mit dem Ölzweige. Wir müssen die geistigen Erlebnisse in der Bildersprache zu verstehen suchen. Die ersten Symbole, welche uns erscheinen, sollen eine Aufforderung sein, um diese Eigenschaft uns anzueignen. Erscheint uns zum Beispiel die Farbe Rot, die Farbe der Liebe, so sage ich mir bescheiden: Du hast sie nicht! - Violett ist die Farbe der hingebungsvollen Frömmigkeit; sie sagt uns, wir sollen Geduld haben, wir sollen warten können. Wenn aber eines Tages diese Farben in ihre Komplementärfarben sich verwandeln, so können wir uns sagen, daß wir einen Schritt vorwärts getan haben und uns von Egoismus gesäubert haben. Die Schulung leitet den Schüler und sagt ihm, worauf es ankommt, im Rosenkreuz symbolisch den Ausdruck für die ersten Eindrücke aus geistigen Welten zu erkennen. Nur dann, wenn wir alles im Namen Gottes tun, empfinden wir richtig: So muß sich der Mensch als Bild, als Urbild Gottes betrachten lernen. Das sagt uns der dreifache Rosenkreuzerspruch.
Cite:
GA 266b/1910-11-05/p011 · edition original