Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Berlin, 1912-01-07
uns die liebsten Menschen begegnen. Durch die Einsamkeit erschließen sich uns die Tore der geistigen Welt. Dadurch wird erst das rein geistige Leben bedingt. Aber auch die Einsamkeit nicht absichtlich aufsuchen und dadurch uns den Pflichten, die wir der Welt gegenüber haben, entziehen, ist damit gemeint, sondern vielmehr dieses Einsamkeitsgefühl in der Seele erwachen zu lassen und es nicht durch törichte Gedanken etc. zum Schweigen zu bringen. Eine sehr große Forderung ist auch, nicht so oft die Übungen wechseln zu wollen. Am besten eine Übung ein ganzes Leben tun, aber richtig tun, und zwar so, daß in uns immer neue Impulse erweckt werden dadurch, daß wir uns immer mehr in die Übung vertiefen. Zum Beispiel: In den reinen Strahlen des Lichtes Erglänzt die Gottheit der Welt ... dabei soll man sich nicht nur vorstellen ausstrahlende Lichtstrahlen, die das Göttliche symbolisieren, sondern die Kräfte der Göttlichkeit vorstellen, die von unserm Innern Besitz ergreifen, und dann in uns so vollkommene Dankbarkeit empfinden, die in das All, den Kosmos hineingetragen werden soll - in dem Gefühl des Dankens schwimmen und sich eins fühlen mit der Gottheit. Dieses Gefühl kann man oft nur sekundenlang festhalten, aber bei fortgesetzter Übung gelingt es einem sehr viel länger. Oft wird man durch einen «klingenden» Ton wieder in die Wirklichkeit zurückgerufen, aber diese Übung hinterläßt in einem das Gefühl des Gemeinsamen, das Sich-in-Gott-eins-Fühlen (mit der Menschheit), ganz im Gegensatz zu dem Einsamkeitsgefühl. Sehr viel wird gesündigt durch Schwatzhaftigkeit. Das, was man aus seinen esoterischen Übungen preisgibt, ist verloren für den Schüler. Das sollte man sich klarmachen. Es bedeutet immer eine Schwächung des Ätherleibes; Menschen mit schwachem Ätherleib sind immer schwatzhaft. Deshalb ist es für uns eine
Cite:
GA 266b/1912-01-07/p003 · edition original