Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — München, 1912-01-10

GA 266b/1912-01-10/p008 ·1912-01-10 · original (original)
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Gedächtnisaufzeichnungen von Teilnehmern» (Participants' records written from memory). Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one.

Kritik üben und ausdrücken setzt eine ganz bestimmte Eigenschaft voraus in der Seele, nämlich die, in seiner Egoität etwas gelten zu wollen, etwas vor dem anderen voraus zu haben. . Vermag man viel von solchen Seelenerlebnissen anzuhäufen, ohne sie auszusprechen, so wird man an einen ganz bestimmten Punkt seiner Entwickelung kommen, den jeder Esoteriker kennt und der in allen mystischen Schriften als «bis an die Pforte des Todes gekommen» bezeichnet wird. Hingabe, wie wird sie geübt? Man kann lechzen nach Einsamkeit und doch jeden Augenblick bereit sein, dem anderen in Liebe sich hinzugeben, um des anderen Menschen willen und seiner liebenswerten Eigenschaften. Gewöhnlich geschieht es, daß ein Mensch den anderen aufsucht aus Egoismus. Er hat etwas von ihm. Der andere, den er aufsucht, hat Eigenschaften, die ihm gefallen. Er sucht seine Nähe also nicht um des anderen willen, sondern um seiner selbst willen. Die Hingabe an die inneren Erlebnisse muß so stark sein, daß man sich selbst ganz vergißt, sich hingibt an das, was aufsteigt aus der Seele, so daß man objektiv die Kraft ansehen kann. Zuerst tritt beim Esoteriker das auf, daß die Egoität stärker wird. Absonderung, Verfremdung von den anderen Menschen strebt der Mensch an. - Wenn der Mensch die Sehnsucht nach Menschen in sich aufsteigen fühlt, so muß er sich sagen: durch die Sehnsucht sind nutzlos Kräfte nach außen verspritzt, die der Mensch sehr gut nach innen brauchen kann. Ebenso ist es bei Mitteilsamkeit, nutzlos sind Kräfte verbraucht. Die Dinge, die uns im Innersten interessieren, die uns subjektiv interessieren, über die sollen wir schweigen; die Kraft, die da sonst verbraucht wird, nach innen gewendet, gibt eine starke Kraft für den Esoteriker. Einerseits müssen wir stark machen unsere Egoität, andererseits uns selbst vergessen. Die Meditation soll der Esoteriker lediglich durch seinen Willen in den Mittelpunkt des Bewußtseins rücken, nicht durch Erinnerung etc.

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