Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Köln, 1913-01-02
## GA 266/3 — 1913-01-02, Köln
Köln, 2. Januar 1913 Aufzeichnung Α Bevor wir unsere eigentliche esoterische Betrachtung beginnen, ist zu sagen, besonders auch für unsere ausländischen Freunde, daß wir uns vollständig zu scheiden haben in unserer esoterischen Strömung von jenem anderen, was durch die Welt geht und was von Frau Besant vertreten wird. Wir können aus Gründen der Wahrhaftigkeit uns von den Taten einer Persönlichkeit scheiden, [müssen] aber der Persönlichkeit selbst doch unveränderlich unsere Liebe erhalten, vielleicht eben deshalb ihr unsere Sympathie in erhöhterem Maße zuwenden, gerade darum, weil wir ihre Taten ablehnen müssen. Es werden die Worte von Frau Besant von 1906 verlesen, worin sie alle diejenigen, die sie wahrhaft lieben, bittet, wenn der Tag ihres Falles kommen sollte, eben aus Liebe zu ihr, nicht schwarz weiß zu nennen. Es ist eben der Okkultismus ein gefährlicher Weg, und jeder soll eingedenk sein, daß in der Tiefe der menschlichen Seele Kräfte schlummern können, die vielleicht im gewöhnlichen Leben nicht zum Vorschein kommen, aber wenn man den gefahrvollen Pfad betritt, ans Tageslicht treten, darum gilt es unablässig Wache zu halten bei der eigenen Seele und des Wortes eingedenk zu sein: «Wachet und betet!» - Wer eintreten will in die geistigen Welten, der muß vor allen Dingen strenge Selbsterkenntnis üben. Der Essäerorden, dessen erhabene Lehrer in Nazareth auch dem einen Jesusknaben, den wir den Jesus des Lukas-Evangelium nennen, den Extrakt aller Weisheit, wie ihn gerade diese Wesenheit brauchte, lehrten, hatte zwei besonders wichtige Regeln, die uns zeigen können, wie weit gerade unsere heutige Zeit von dem Spirituellen entfernt ist. Die eine Regel lautete: Vor Sonnenaufgang und nachdem die Sonne untergegangen ist, soll kein Essäer von weltlichen Dingen reden. Und für diejenigen, die in höhere Grade aufgestiegen
waren, wurde diese wichtige Essäerregel dadurch verstärkt, daß auch nicht Gedanken weltlicher Art den Schüler beschäftigen sollten in der angegebenen Zeit. Eine zweite wichtige Unterweisung war: Bevor die Sonne heraufkommt, soll jeder Essäer bitten, daß dieses geschehen möge und daß die Kraft der Sonne über der Menschheit an jedem Tage leuchte. - Diese Regeln geben uns Kunde, wie bedeutsam wir mit unserer Wesenheit zusammenhängen mit den Geschehnissen der geistigen Welt, aus welcher wir am Morgen auftauchen und in die wir untertauchen, wenn wir des Abends einschlafen. Wie wenig unsere Zeit nach diesen Gesetzen äußerer und innerer Zyklen lebt, zeigt Ihnen wohl das Verhalten der Menschen unserer Gegenwart an einem solchen äußeren Zyklus, wie es der Übergang der Sylvesternacht in das neue Jahr ist. Alles, was die Menschen da tun und vor dem Einschlafen unternehmen, scheint darauf eingerichtet, sich besonders tief mit dem Materiellen zu verbinden, statt diesen Augenblick als einen Rückblick zu benützen. Diesem äußeren Zyklus entspricht im Menschen ein innerer: der von Wachen und Schlafen. Der Mensch zieht am Abend seinen Astralleib und sein Ich aus dem physischen und Ätherleib heraus und lebt mit seinem Astralleib und Ich in einer rein geistigen Welt. Vergegenwärtigen wir uns den Moment des Einschlafens, bis allmählich Bewußtlosigkeit eintritt. Also der gewöhnliche Mensch hat in der Nacht kein Bewußtsein in der geistigen Welt. Es kann nun sein, daß hellseherische Augenblicke eintreten und er dann in einem Bilde das, was er verlassen hat, da unten liegen sieht. Je nachdem, wie der betreffende Mensch in geistig-seelischer Verfassung ist, wird er diesen physischen und Ätherleib dann sehen, je nach Temperament und Charakter wird das Bild verschieden sein. So wird der Mensch, der das Wohnen in dem physischen und Ätherleibe mehr empfindet wie das Wohnen in einem Hause, dessen Sinn also mehr aufs äußere Leben gerichtet ist, den physischen und Ätherleib auch so sehen als Haus mit einer Pforte, durch die er zu treten
hat. Ein Mensch, der mehr als Stimmungsmoment - nicht als Charakteranlage - das Vergängliche des irdischen Seins erlebt, der wird das Bild eines Sarges, in dem ein Toter liegt, sehen. Hat der Mensch nun schon einiges von dem spirituellen Leben aufgenommen, so kann es sein, daß - anzeigend als Symbol [dafür], daß dieser physische und Ätherleib uns von göttlichgeistigen Mächten schon durch die Saturn- und Sonnenzeit zubereitet worden war - das Bild eines Engels, einer Lichtgestalt, die uns einen Kelch darreicht, erscheint, repräsentierend das alte Urwort der Menschheit: Aus dem Gotte sind wir geboren: E.D.N. An Stelle dessen, was einstens der Essäer tat am Morgen, bevor die Sonne aufging, und was ja heute nicht mehr getan werden kann, soll der neuere Esoteriker am Morgen, wenn er in seinen physischen und Ätherleib untertaucht, sich durchdringen mit dem heiligen Gefühl: Erhabene Götter haben in langen Zeiten durch die Saturn- und Sonnenentwickelung hindurch diesen gottgewollten physischen und Ätherleib uns zubereitet und aufgebaut, damit wir Bewußtsein darin entwickeln können. In diesem Bewußtsein wird der Esoteriker den Gott - die geistige Sonne, welche die physische Sonne repräsentiert, bitten, daß Er ihm lasse und erhalte diesen physischen und Ätherleib an jedem Morgen, wenn der Mensch heraustritt aus der geistigen Welt, um Bewußtsein zu entwickeln in der physischen Welt. Denn, was wären wir denn, wenn uns über Nacht jemand nähme diesen physischen und Ätherleib? Überwältigen würde uns dann dies Gefühl der Bewußtlosigkeit. Durchdringen wir uns so recht mit der Tatsache, daß die Götter uns gebaut haben diesen physischen und Ätherleib, dann werden wir das Erlebnis haben, daß unser Gehirn (und wir können das mit jedem Gliede unseres Leibes erleben), etwas nicht allein an unseren physischen Leib Gebundenes ist, sondern, daß es erweitert zu einer Hohlkugel wird, in die eingebettet sind die Sterne, die da ihre Bahnen ziehen; und unsere Gedanken sind diese Sterne, die da ihre Bahnen ziehen. Der Mikrokosmos wird so zum Makrokosmos! Zusammengepreßt sind in unserem Gehirn die gewaltigen Kräfte des ganzen Kosmos, und wir fühlen ihren Zusammenhang mit uns. Alles, was uns durch Saturn, Sonne und weiter durch die Vererbungslinie bis in unsere jetzige Geburt geführt hat, ist zu bezeichnen mit dem Spruch: E.D.N. Ebenso nun, wie wir bewußtlos bleiben müßten, wenn wir nicht untertauchen könnten am Morgen in unseren physischen und Ätherleib, so löscht auch das Gehen durch die Pforte des Todes alles bewußte Leben aus. Vor dem Mysterium von Golgatha, da erhielt der Mensch durch die Vorratskraft, die der Menschheit auf ihrem Wege mitgegeben war, post mortem, nach dem Tode, ein Bewußtsein, das ihm Bewußtsein in der geistigen Welt brachte. Nun aber war diese Gabe der Götter allmählich aufgebraucht, und der Grieche wußte, daß es nach dem Tode sein Los war, im Reiche der Schatten zu leben. Es war dies nach dem Willen der Götter so. Schattenhaft, herabgedämpft war das Bewußtsein, und darum legt der Grieche einem seiner Größten die Worte in den Mund: Lieber ein Bettler in der Oberwelt als ein König im Reiche der Schatten! - Durch das Mysterium von Golgatha nun wurde eine neue Substanz geschaffen, die der Menschheit Bewußtsein geben konnte, wenn sie post mortem in der geistigen Welt war. Diese Substanz floß heraus aus dem Mysterium von Golgatha. Durch das Untertauchen in diese Christus-Substanz ist es dem Menschen möglich, nun Bewußtsein nach dem Tode in der geistigen Welt zu entwickeln. Darum sollen wir jeden Abend, wenn wir einschlafen und eingehen in die geistige Welt, uns daran erinnern und uns durchdringen mit dem Gefühl: In dem Christus sterben wir! - Denn nur der Christus-Impuls kann uns durch seine todüberwindende Lebenskraft nach dem Tode bewußt in der geistigen Welt erhalten. Weil aber nichts in der physischen Welt groß und heilig genug ist, um dies Mysterium zu verstehen, das da der Menschheit durch den Christus Jesus geschenkt worden ist, so soll auch nichts der Welt Angehöriges, nicht einmal der Laut der Sprache benützt werden, um dieses Mysterium, das große, unergründliche Geδ heimnis anzudeuten, das da enthalten ist in dem, was da ausfließt von dem Mysterium von Golgatha. Deshalb schweigt der Esoteriker in Wort und Gedanke an der Stelle, wo der heilige Name, der unaussprechliche, genannt werden müßte. Er fühlt nur tief die Heiligkeit dieses Momentes: I. — M. Aber, wenn der Mensch auch Bewußtsein hat nach dem Tode, so hat er damit noch nicht Selbstbewußtsein, dasjenige, durch das er sich selbst als individuelle Wesenheit wiedererkennt in der geistigen Welt und wiederfindet mit den Brüdern und Schwestern, mit denen er gelebt hat in der physischen Welt. Daß wir diese unsere Wesenheit wiederfinden und in dem Selbstbewußtsein erwachen in der geistigen Welt, nachdem wir untergetaucht waren in die Christus-Substanz, dazu kann uns nur verhelfen das Erleben unseres höheren Ich, das uns beschert wird durch den Heiligen Geist, durch den uns die Hoffnung wird: Im Heiligen Geiste werden wir auferstehen! - P.S.S.R. - und zu selbstbewußtem Leben erwachen. Und so könnt Ihr daheim sitzen und mit Inbrunst und tiefem Ernst Euerer Meditation obliegen, zu deren Grundnerv dieses Urgebet der Menschheit gehört: E.D.N. - I. — M. - P.S.S.R. Und dabei sollt Ihr denken an alle diejenigen, die nicht hier sind - aus einem Grunde des Leidens und der Schmerzen vielleicht -, und Ihr werdet ihnen kraftvolle Gedanken schicken, wenn Ihr in der richtigen Weise das ausübt, was uns unsere Esoterik vorschreibt. Denn in der geistigen Welt ist es so, daß man sich erst würdig machen muß, um benützen zu können zum Segen für sich und andere dasjenige, was uns in der Esoterik gegeben wird. Nicht Verstandes- und gehirnmäßig sollt Ihr solche Stunden auffassen, sondern eine Empfindung sollt Ihr in Euerer Seele auslösen, die Euch sagt, daß Worte, wie diese E.D.N. - I.C.M. - P.S.S.R., die von den Meistern der Weisheit und des Zusammenklanges der Empfindungen uns gegeben sind, nicht erschöpft werden können durch vielfache Betrachtungen, sondern immer tiefer und tiefer genommen werden müssen. Und so sollt Ihr
auch heute, wenn Ihr nun etwas tiefer das menschliche Urgebet verstanden habt, die Erwartung daran knüpfen, daß es in späterer Zeit noch tiefere Offenbarungen darüber geben kann und geben wird. Im Geiste lag der Keim meines Leibes... Aufzeichnung B* Auf dem esoterischen Wege kann ein Mensch zu Fall kommen durch Unwahrhaftigkeit, Ehrgeiz etc. So können auch größere Gemeinschaften oder eine ganze esoterische Strömung von dem richtigen Wege abkommen und sich in Irrtum verstricken. Da wir wissen, wie leicht ein solches Fallen einen einzelnen Menschen überkommen kann, müssen wir auch verstehen das Abirren größerer Menschengruppen. Es würde - wo sich dies zeigt - von einer egoistischen Liebe zeugen, wenn man jemandem treu bleiben möchte, von dem man wissen kann, daß er sich auf Abwegen befindet. So würde es auch von einer egoistischen Liebe Mrs. Besant gegenüber zeugen, wenn man sich verschließen wollte der Tatsache, daß die von ihr vertretene Richtung als eine verkehrte bezeichnet werden muß, deren Weiterverbreitung nur Unheil herbeiführen könnte. Und Mrs. Besant hat einmal selbst gebeten - als sie damals über den Fall Leadbeater schrieb -, daß man sie aufmerksam machen möge und sie warnen möge, wenn ihr «Fallen drohe». Wir tun also nur unsere Pflicht, wenn wir Mrs. Besant darauf aufmerksam machen; aber klar muß man einsehen, daß es so mit ihrer Richtung selbst steht, und daß von dem Augenblick an, wo wir solches erkannt haben, die Pforte unseres Tempels für die Anhänger dieser esoterischen Richtung geschlossen bleiben muß. In der Essäergemeinschaft, die vor und während des Mysteriums von Golgatha in Palästina bestand, gab es zwei bestimmte * Eine sonst gleichlautende Vorlage hat als ersten Satz: «Einige Bemerkungen sollen unserer esoterischen Betrachtung vorangehen.»
Vorschriften, die den Schülern dieser Gemeinschaft auf verschiedenen Stufen gegeben wurden. Die eine Regel, die für alle galt, war die Verpflichtung, zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang sich mit keinen weltlichen Verrichtungen zu beschäftigen, sich sogar aller weltlichen Gedanken zu enthalten. Das ist eine Regel, die in unserer Zeit nicht so beibehalten werden kann, weil wir in einem anderen Menschheitszyklus leben. Bei den Essäern war diese Regel der Ausdruck für den Zusammenhang einer jeden Seele mit dem Kosmos. Die Menschen haben die richtige Empfindung für die großen Übergangsmomente verloren; man braucht nur zu sehen, wie der Übergang zum neuen Jahr in den Städten begangen wird. Die Menschen in unserer Zeit haben geradezu die Neigung, in den Stunden vor der Nachtruhe sich mit den allertrivialsten Dingen zu beschäftigen, die sie am meisten in die Materie verstricken. Was bedeutet es denn für uns, wenn der Mensch in der geistigen Welt ist zwischen Einschlafen und Aufwachen? Der normale Mensch unserer Zeit ist da nicht bewußt. Für den Esoteriker ist der beste Übergang in die geistige Heimat möglich, wenn er beim Einschlafen sich entsinnt des Spruches: Ex Deo nascmur etc. Das ist das, was für uns ersetzt die erste Essäervorschrift. Geschieht es dadurch, daß wir während des Schlafes Momente des Bewußtseins erleben, dann werden wir je nach unserem Temperamente verschiedene Bilder schauen können. Wer zum Beispiel durch sein Temperament die Neigung hat, seinen Körper anzuschauen als das Haus, in welchem der Mensch wohnt, der wird das Bild schauen eines Hauses mit einer Pforte, durch die er in das Haus einzutreten hat. So schaut er im voraus den Moment seines Erwachens. Und wer zu Stimmungen der Melancholie neigt, wer in dem irdischen Dasein mehr das Dem-Tode-verfallen-Sein der irdischen Kräfte spürt, der wird zum Beispiel einen Sarg sehen mit einem Leichnam darin. Und wer wegen seines Temperamentes eine starke Empfindung davon hat, daß die Götter für ihn das Haus seines Leibes gebaut haben, der wird einen Engel schauen können, der ihm einen Kelch reicht. Alles das sind nur erst vorbereitende Visionen des imaginativen Lebens. Ausgedrückt ist es in den Worten: Ex Deo nascimur. Die göttlichen Wesenheiten, die wir unter dem Namen «Deus» zusammenfassen, haben während der Saturn- und Sonnenentwicklung unseren Leib auferbaut. Hätten wir diesen physischen Leib nicht, um am Morgen darin unterzutauchen, so würden wir nicht zum Bewußtsein auf dem physischen Plan kommen können. Stellen wir uns einmal vor, daß die Götter während der Nacht uns unseres physischen Leibes berauben würden: was würde da aus uns werden, da wir dann zu keinem Bewußtsein kommen könnten! Zur Dankbarkeit gegenüber den Göttern muß uns dieses stimmen. Für einen Essäer der höheren Grade kam noch die Verpflichtung hinzu, vor jedem Sonnenaufgang zu beten, daß das große Himmelsgestirn aufgehen und die Erde mit seinem Segen bestrahlen möge. Auch das wird in unserer Zeit durch eine andere Empfindung ersetzt. Ebenso wie wir zu keinem Bewußtsein kommen könnten, wenn uns nachts unser physischer Leib genommen würde, ebenso wahr ist es, daß wir kein Bewußtsein nach dem Tode in der geistigen Welt haben könnten, wenn wir nicht auch dort einen Körper fänden, in welchen wir untertauchen könnten. In der vorchristlichen Zeit wurden alle Seelen nach dem Tode mit einer spirituellen Substanz bekleidet, in welcher sie ihre Erlebnisse zwischen dem Tode und ihrer neuen Geburt durchmachten. Diese Substanz wurde aber nach und nach erschöpft, und tragisch empfanden das die Menschenseelen, als die Zeit des Mysteriums von Golgatha herannahte; so daß bei dem hervorragendsten Volke der damaligen Zeit, bei den Griechen, die Empfindung vorherrschte: Lieber ein Bettler sein in der Oberwelt als ein König im Reiche der Schatten. - Denn zu Schatten wurde man in dem Leben nach dem Tode. Von dem Kreuze auf Golgatha strömte aber eine neue Substanz aus, und mit dieser können die Seelen sich umkleiden, damit sie ein Bewußtsein entwickeln können nach dem Tode. Das können wir empfinden bei dem zweiten Teil unseres Spruches: In — morimur. Wenn wir diesen Spruch mitnehmen nach dem Tode, dann gibt er die Veranlassung, daß alles Irdische bald von uns abfällt und daß wir aus dieser Christus-Substanz heraus ein Bewußtsein entwickeln können. Da aber Bewußtsein noch nicht Selbstbewußtsein ist, so dürfen wir auch die Hoffnung hegen, daß zu dem Bewußtsein, das wir in diesem Leibe entwickeln können, uns noch hinzu geschenkt werde die vollständige Erkenntnis, das Selbstbewußtsein, durch den Heiligen Geist: Per Spiritum Sanctum reviviscimus. Durch Selbsterkenntnis, die der Heilige Geist uns schenkt, bereiten wir uns vor zu diesem Leben nach dem Tode. Liebe, Demut und Selbsterkenntnis können für uns die Folgen sein unseres richtig verstandenen Spruches. Wer über diesen Spruch richtig meditiert, der wird auch die Kraft bekommen, Kranken zu helfen und liebevolle Gedanken zu senden denjenigen, die zum Beispiel durch Krankheit oder aus anderen Ursachen heute nicht hier anwesend sein können. Das soll auch wie ein sakramentales Gefühl unser exoterisches Leben durchdringen. Einen neuen Ausblick bekommen wir so wiederum auf unseren Spruch, und das darf das Vertrauen bei uns wachrufen, daß in der Zukunft wir immer tiefer in ihn werden eindringen können. Aufzeichnung C In einem bedeutsamen Augenblick haben wir uns hier eingefunden, nicht nur im exoterischen, sondern auch im esoterischen Sinne; denn wo eine okkulte Bewegung entsteht an einem Ort, da begibt sich auch etwas an einem anderen. Die Weisheit ist allein in der Wahrheit, das ist es, was wir suchen wollen. Lösen, trennen müssen sich von uns diejenigen esoterischen Richtungen, die nicht mit uns gehen. Mrs. Besants Brief aus dem Jahre 1906 wird verlesen, den sie nach dem Fall von Leadbeater schrieb, in dem sie alle bittet etwa mit diesen Worten:
Judge ist gefallen, Leadbeater ist gefallen. Sollte es in meinem Karma liegen, daß schließlich ich auch noch falle, so bitte ich alle, die mich liebhaben, mich nicht darin zu bestätigen. Man möge nicht schwarz weiß nennen, sondern getrost schwarz schwarz. Was kommt es an auf eine Meinung in einem Leben. Die Meister bringen uns schon in einem anderen wieder zurecht. Dies sei der Fels, auf den wir bauen. - Innerhalb der Essäerschule, deren Lehrer auch den Jesus von Nazareth unterrichtet haben, gab es eine Vorschrift, die lautete: Nachdem die Sonne untergegangen ist und bevor sie aufging, soll der Schüler nicht von profan materiellen Dingen sprechen und nicht an sie denken. - Das war eine Forderung damals. Daß sie für uns nicht mehr bestehen kann, daß sie sich in anderes umgewandelt hat, das werden wir nachher sehen. Eine zweite Vorschrift lautete: Noch vor Sonnenaufgang mußte jeder Essäer ein Gebet richten an die Geister, welche die Sonne heraufsenden aus dem Weltenraum, daß sie sie auch an diesem Tage senden mögen. - Kein Essäer durfte dies versäumen. Betrachten wir die Menschen heute, wie wenig sie realisieren die Tatsache, daß der Mensch, wenn er einschläft, in geistige Regionen eingeht. Dieser Augenblick, der etwas Heiliges für uns sein sollte, er wird nur zu oft entweiht. Der Mensch verbindet sich zuletzt meist noch mit allem möglichen Profanen, Materiellen. Wir neuen Esoteriker sollten uns aber der Heiligkeit der Stunde vor dem Einschlafen immer bewußt bleiben. Und wenn wir zurückkommen in unseren physischen Leib, dann sollen wir es mit den gleichen Gefühlen tun. Wie wäre es - sollen wir uns fragen -, wenn wir unseren physischen und Ätherleib nicht mehr vorfänden beim Erwachen? Dankbarkeit soll unsere Seelen durchziehen, wenn wir dies Götterwerk, unseren physischen Leib, am Morgen wieder betreten. Wenn wir zwischen Einschlafen und Aufwachen einen Moment des Bewußtseins haben, so können wir in verschiedener Weise sinnbildlich dies Erlebnis empfinden, es widergespiegelt sehen. Drei Beispiele: 1. Der eine Mensch sieht ein Haus mit einem geöffneten Tor. Das ist unser physischer Leib, durch dessen Pforte wir wieder einziehen sollen. 2. Ein anderer - und dies besonders Menschen, die melancholische Anwandlungen haben; sie brauchen aber nicht ein melancholisches Temperament zu haben - sieht einen Sarg mit einem Leichnam darin. Dies sind wir selbst, es ist unser physischer Leib. 3. Wieder ein anderer sieht einen Engel, der ihm einen Kelch entgegenhält. So sollen wir verspüren die tiefe Bedeutung unseres zentralen Kern-Spruches: Ex Deo nascimur, der eben von den verschiedenen Seiten aus betrachtet und für unser Verständnis vertieft werden soll. Mit diesen Worten sollen wir den Göttern, die unseren physischen Leib auferbaut haben, die wir mit dem Wort «Deo» zusammenfassen, unsern Dank zollen. Anstelle des Sichabwendens vom Profanen bei den Essäern tritt dann bei uns ein vollständiges Schweigen ein. Wir sprechen den Namen des Höchsten nicht aus: In — morimur. Daß wir uns wiederfinden, daß wir vom Bewußtsein zum Selbstbewußtsein kommen, den Dank hierfür drücken wir aus mit den Worten: Per Spiritum Sanctum reviviscimus. Aufzeichnung D Wachet und betet! Wenn wir in die lichtvollen Hallen der übersinnlichen Welten eintreten wollen, müssen wir Selbsterkenntnis lernen. Hierbei können uns Weisungen geben zwei Sprüche des Essäerordens, welche auch auf die Entwicklung des einen Jesusknaben (Lukanischer, von Nazareth) Einfluß geübt haben. - Der eine lautete: Bevor die Sonne aufgegangen ist und nachdem sie untergegangen ist, sollst du dich nicht mit weltlichen Gedanken und Geschäften beschäftigen. Der zweite: Bevor das Tagesgestirn heraufkommt, sollst du beten und bitten, daß dies geschehen möge und es seine Kraft des Tages über dir und der Menschheit entfalten möge. - Durch diese Aussprüche sollen wir uns dessen bewußt werden, wie bedeutsam unsere Wesenheit zusammenhängt mit der geistigen Welt, aus welcher wir morgens auftauchen, wenn wir erwachen und in welche wir untertauchen, wenn wir des Nachts einschlafen. Wie wenig die Menschheit heutzutage sich solcher äußerer Zyklen und innerer Zyklen bewußt ist, zeigt ihr Verhalten an der Jahreswende in der Sylvesternacht und die Tatsache, daß alles das, was die Menschen vor dem Einschlafen unternehmen, geradezu dazu bestimmt zu sein scheint, die Menschen ja in ihrem Körper und in ihrer physischen Erscheinungswelt zu befestigen. Der angehende Esoteriker soll sich in heiliger Empfindung dessen bewußt sein, daß er des Nachts mit Astralleib und Ich verläßt den physischen und Ätherleib und bis zum Erwachen in den übersinnlichen Welten lebt. Freilich bringt er am Anfang keine bewußte Erinnerung an dieses Erleben mit, aber allmählich stellen sich gewisse Bilder ein, welche ihn erfüllen können mit den rechten Empfindungen gegenüber dem physischen und Ätherleib, den er morgens vorfindet. Diese Bilder werden je nach Temperament und Charakteranlagen verschieden sein. So kann ein mit seinem Ich tatkräftig mehr auf das Äußere gerichteter Mensch das Bild eines Hauses mit einer Pforte haben, durch die er beim Erwachen eintreten muß; wobei das Haus als Symbol des physischen Leibes anzusehen ist. Ein mehr melancholischer Mensch (nicht im Sinne einer Charakteranlage, sondern als Stimmungsmoment), wird vielleicht das Bild eines Sarges vor sich sehen, in dem er selbst als Leichnam liegt. Dies rührt daher, wenn ein Mensch öfters durch die Gedanken der Vergänglichkeit alles Physischen beeinflußt wird. Oder es zeigt
sich vor dem geistigen Blicke eine Lichtgestalt, die einen Kelch darreicht, gewissermaßen als Symbol, daß die höheren Machte uns nun wieder das bewußte Leben im physischen Leibe als Gnadengabe darreichen. Diesen Gedanken kann ungeheuer vertiefen der erste Satz des uralten Weisheitsspruches, des Rosenkreuzerspruches E.D.N. Wenn der Esoteriker des Morgens erwachend seinen physischen und Ätherleib vor sich sieht, so soll er sich durchdringen mit dem heiligen Gefühl: Erhabene Götter haben in unermeßlichen Weltenräumen und unendlichen Zeitenläufen den gottgewollten physischen und Ätherleib in Saturn- und Sonnenentwicklung aufgebaut, auf daß er eine Wohnung werde für das geistige Wesen des Menschen. In dieser Empfindung wird der Esoteriker den Gott bitten, er möge ihm lassen und erhalten diesen physischen Leib, ohne den er kein bewußtes Leben führen kann. Und der Esoteriker kann weiter sich denken, daß sein Hirn nicht etwas Isoliertes, an seinen physischen Leib allein Gebundenes sei, sondern daß, weil seine Kräfte aus dem Kosmos stammen, es sich gewissermaßen wie eine Halbkugel in den Kosmos hinein weitet, auf welcher die Gedanken als kosmische Kräfte wie Sterne mit ihren Bahnen verzeichnet sind und den physischen Leib erleuchten. Nun denke man sich, man fände den physischen Leib nicht mehr vor, dann würde uns das Gefühl überwältigen, wie wenn man durch die Pforte des Todes schreitet und alles bewußte Leben auslischt. Wäre nämlich nicht auch schon vor dem Mysterium von Golgatha eine gewisse Weltensubstanz vorhanden gewesen, wäre das Leben post mortem (nach dem Tode) ein schattenhaftes dumpf unbewußtes gewesen. Das meinte der griechische Tragiker, wenn er seinen Helden ausrufen läßt: «Lieber ein Bettler in der Oberwelt als ein König im Reiche der Schatten.» Nun wurde aber durch das Christus-Opfer auf Golgatha eine neue Substanz geschaffen, in die der Mensch untertauchen kann, um sein Leben auch nach dem Tode zu einem bewußten zu gestalten. Daher soll der Esoteriker, bevor er in den Schlaf versinkt, sich mit diesem Gedanken und Gefühl durchdringen: I.C.M., das heißt, nur durch den Christus-Impuls kann ich eine den Tod überwindende Lebenskraft erhalten, die mich immer wieder zu bewußtem Leben ruft und stärkt. Weil aber nichts auf der physischen Welt groß genug ist, um sich vergleichen zu lassen mit dem, was der Menschheit geschenkt ist durch den Christus Jesus, so soll auch nicht einmal der der physischen Welt angehörige Laut der Sprache bewußt werden, um das große unergründliche Geheimnis auszusprechen, welches enthalten ist in dem, was ausströmt von dem großen Mysterium von Golgatha. Daher verschweigen wir Esoteriker das heilige Wort, welches den Namen des Unaussprechlichen ausspricht. Wenn der Mensch auch Bewußtsein hat nach dem Tode, so hat er noch nicht Selbstbewußtsein, durch das er sich selber wiedererkennt in der übersinnlichen Welt und seine Schwestern und Brüder, mit denen er in der physischen Welt verbunden war, wiederfindet. Hierzu kann ihm nur verhelfen das höhere Ich, zu dem der Heilige Geist ihm verhilft, das lebensmächtig ihn durch die Pforte des Todes zu selbstbewußtem Leben trägt.
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