Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Berlin, 1914-03-27
Zeige dich der Leuchte-Seele Dass ich wehend in mir sei. Und dann kann das sich seiner selbst bewußt gewordene Ich sich wieder nach außen wenden. Dann ist es jedoch wiedererstanden aus sich selbst und erkennt die Dinge in ihrer geistigen Bedeutung. Es vergegenwärtigt sich, daß da, wo die Sinne Gegenstände sehen, eigentlich nichts ist, daß da Öffnungen sind in einem viel realeren und dichteren Sein rings umher. Wie runde Löcher, wie «Daseinsperlen» erlebt es nun die Sinneswelt; sich selbst fühlt es lebend und webend in der dichten Geisteswelt, die reales Leben geworden ist da, wo die Sinnesorgane nichts wahrnehmen. So kann man dann mit der dritten Formel, die man hierfür meditiert, sich selbst auf die Probe stellen. Wenn die beiden anderen Formeln beispielsweise morgens und abends jeden Tag meditiert werden, die erste Strophe morgens und die zweite Strophe abends, dann kann man sonntags außer diesen beiden in einer Zeit dazwischen die dritte Strophe nehmen, wie um zu probieren, inwieweit dies alles Wirklichkeit geworden ist. Dies ist dann wiederum eine Bekräftigung einer anderen Formel, die eigentlich in diesen drei enthalten ist: E.D.N. - I.C.M. - P.S.S.R. In der ersten Formel können wir fühlen das, was als wahre schöpferische Mächte dem Sinnensein zugrundeliegt: E.D.N. - In der zweiten gehen wir in die Einsamkeit, als stürben wir ab, um in uns zu finden dasjenige, was sich mit dem Christus vereinigt weiß: I.C.M. - Und in der dritten auferstehen wir aus uns selbst, werden wiedergeboren in den Geist und erkennen das Geistessein: P.S.S.R. - Wir müssen uns als Ichwesen zu einem Organ der geistigen Welt entwickeln. Leuchtend Ich und Leuchte-Seele Schwebet über wahrem Werdewesen Das Erdachtey das Erkannte Wird jetzt dichtes Geistessein. Und wie leichte Daseinsperlen Lebt im Meer des Göttlich-Wahren Was den Sinnen Dasein täuscht. Diese Formeln müssen jedoch meditiert werden, dann bringen sie sehr voran. Es ist nicht genug, den Inhalt davon zu wissen: Selbst der weitest fortgeschrittene Esoteriker, der das alles schon lange weiß, muß sie immer wieder wechselnd meditieren. Aufzeichnung C* Meine lieben Schwestern und Brüder. Einem jeden von uns liegt am Herzen der Fortschritt in der esoterischen Entwicklung und mancher Schüler fragt sich: Komme ich auch wirklich voran in meiner Entwicklung zum Geistigen? Ja, ein jeder Schüler, der wirklich gewissenhaft die Übungen, die er vom Lehrer empfangen hat, anwendet, schreitet vorwärts; und mancher, der seine Übungen pünktlich und gewissenhaft macht, kommt vielleicht mehr voran, als er glaubt. Er darf nur nicht glauben, daß irgend etwas Tumultuarisches auftreten würde innerhalb seiner Übungen, oder als Resultat derselben, denn leise und intim tritt die geistige Welt an uns heran. Freilich, eines ist gewiß: daß ein jeder, der den Weg in die geistige Welt finden will, umdenken muß, sein ganzes Wahrnehmungs- und Empfindungsleben muß ein ganz andres werden. Nur wird aber das «Anders-werden» so oft falsch verstanden. Die Menschen denken so gern, daß sie das, was sie sich an Kenntnissen angeeignet haben auf dem physischen Plan, auch übertragen können auf die geistigen Welten; mit denselben Mitteln, mit denen er sich innerhalb der physischen Welt zu einem gescheiten Menschen gemacht hat, glaubt der Mensch auch wissend in der geistigen Welt werden zu können. Der Esoteriker * Diese Aufzeichnung hat die Orts- und Datumsangabe «Berlin und Wien, 27. März und 14. April 1914».
Cite:
GA 266c/1914-03-27/p007 · edition original