Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Basel, 1914-06-03
## GA 266/3 — 1914-06-03, Basel
Basel, 3. Juni 1914 Aufzeichnung Α Unsere Übungen sind dazu veranlagt, uns in die geistige Welt zu bringen. In der geistigen Welt sind wir auch des Nachts, sind dann aber nicht in ihr bewußt. Weshalb nicht? Weil wir die Gewohnheit, die kosmische Gewohnheit haben, durch physische Sinne wahrzunehmen, und zu schwach sind, ohne diese ein Bewußtsein entwickeln zu können. Was sind eigentlich diese sinnlichen Wahrnehmungen? Sie enthalten in sich auch dasjenige, was wir mit dem höheren Bewußtsein erlangen können: Die Imaginationen, die Bilder der höheren Realität; die Inspirationen, wodurch geistige Wesen sich uns offenbaren; die Intuitionen, wodurch wir eins werden mit den göttlichen Wesen. Das alles ist in der Wahrnehmung enthalten, aber es kommt nicht in uns herein, und wenn wir verfolgen, warum das so ist, dann finden wir, daß es Luzifer ist, der es verbrennt mit dem Feuer der Leidenschaften, Triebe und Begierden. In dem Herzen hat Luzifer seinen Sitz aufgeschlagen, und da vollzieht sich das Verbrennen der Imaginationen, Inspirationen, Intuitionen, die all dem Sinnlichen zugrunde liegen, denn mit jedem Atemzug, mit jeder Wahrnehmung dringen die Bilder der geistigen Wesen in uns hinein. Im Anfang der lemurischen Zeit, als sich dasjenige abspielte, was die Bibel schildert als den Kampf zwischen den Elohim und Luzifer, hat dieser sich mit seinem Feuer in das Herz der Menschen hineingemischt. Das Herz war aber vorbestimmt, etwas ganz anderes zu sein; es war von den Elohim dazu geschaffen worden, um ihr Wohnort zu sein. Etwas kann klein sein in der physischen Welt und ein Großes in der geistigen Welt, und auch umgekehrt. So ist das Herz physisch nur ein kleines Ding und der Anatom glaubt, daß es noch dasselbe Ding wäre, wenn es aus dem Körper herausgenommen wird, aber in Wirklichkeit ist das Herz etwas sehr
Großes in der geistigen Welt und war bestimmt, die Wohnstätte der Elohim zu sein. Als Luzifer in das menschliche Herz einzog, haben die Elohim aber eine Stelle für sich bewahrt, dort können sie immer noch wohnen, und das äußert sich im Menschenleben als die Stimme des Gewissens. Wo diese spricht, da spricht etwas, was nicht zu Luzifer mit seinem verzehrenden Feuer gehört, in ihr gelangt noch eine unmittelbare Götterinspiration zum Menschen. Und wir sehen, daß in wichtigen Zeitpunkten der Menschheitsgeschichte diese Stimme des Gewissens objektiv für Menschen geworden ist und vor ihnen gestanden hat. So war es mit Moses, auf dessen Seele das Schicksal seines ganzen Volkes drückte. Er bestieg den Berg Sinai. In dem brennenden Dornbusch (d. h. in dem Feuer, das Luzifer entzündet hat) vernahm er die Stimme seines Gottes, der ihm später auf Sinai die Gebote gab, die zur Grundlage aller späteren menschlichen Gesetze geworden sind. Nachdem Luzifer sich in dieser Weise des menschlichen Herzens bemächtigt hatte, mußten die Elohim ein Gegengewicht auf die andere Schale der kosmischen Weltenordnung legen, um das Gleichgewicht wieder herzustellen. Das geschah in der atlantischen Zeit, als durch die Elohim Ahriman mit aller Munition verschanzt wurde im menschlichen Gehirn, um dort seine kühlende Wirkung gegen das luziferische Feuer zu bringen. Und dasjenige, was Ahriman abkühlt von dem Feuer, das die Imaginationen, Inspirationen, Intuitionen der Wahrnehmungen verbrennt, das wird im Menschen zu Gedanken, zu Vorstellungen. (Eines gibt es, das ganz besonders Brennmaterial für den Luzifer ist, und das ist Lieblosigkeit.) Diese Erkenntnis, daß Luzifer mit seinem Feuer in unserem Herzen thront, und Ahriman dieses Feuer abkühlt in dem Haupte, haben die alten Eingeweihten immer gehabt, und einen letzten Rest findet man bei Aristoteles (der selber nicht mehr hellsehend war), der sagte, daß von dem Herzen Warme ausgehe nach dem Kopfe und dort abgekühlt werde. Nun könnte man einwenden: Es ist doch sonderbar, was gesagt wird: daß Luzifer und die Gottheit beide in unserem Herzen wohnen! Es klingt so, als ob es nur ein Herz in der Welt gäbe, und dabei gibt es doch so viele Herzen wie es Menschen gibt: Ja, da geraten wir auf ein Rätsel, das nur eines der kleineren Rätsel ist, denen der Okkultist begegnet, das Rätsel: Wie ist das Eine viel geworden? Es liegt nicht in der Absicht, hier die Lösung dieses Rätsels zu geben; man kann aber versuchen, durch meditierendes Nachdenken immer weiter in dasselbe einzudringen. (Es folgen die drei siebenzeiligen Verse als Meditationsformel.) Aufzeichnung Β Man muß nicht glauben, daß alles in der geistigen Welt ebenso ist wie in der physischen Welt. Was in der physischen Welt groß ist, kann in der geistigen Welt klein sein, und was in der geistigen Welt groß ist, ist oft in der sinnlichen Welt klein. Wir haben ein Organ in uns, das ist physisch gesehen klein: das Herz; geistig gesehen ist es unendlich groß, denn es ist das Haus der Götter. Die Elohim haben es sich als Wohnsitz ausersehen, aber in der lemurischen Zeit hat Luzifer davon Besitz ergriffen. Die Elohim lassen in ihn einströmen die Imaginationen, die Inspirationen und die Intuitionen, Luzifer aber verbrennt diese in seinem Verbrennungsofen der Leidenschaften und macht aus ihnen die Sinneswahrnehmungen. Damit nicht alles ganz verbrennt, haben die Elohim dem ein Gegengewicht geschaffen, indem sie im menschlichen Gehirn die ahrimanischen Wesenheiten einsetzten; diese kühlen die luziferische Hitze ab in dem verstandesmäßigen Denken, in den Vorstellungen. Die Elohim aber haben einen kleinen Teil des Herzens als Wohnplatz behalten, und darin haben sie als Gegengewicht gegen Ahriman-Luzifer das Gewissen eingepflanzt. Ein tiefes Rätsel ist es: Die Elohim haben sich das menschliche Herz als Wohnplatz erwählt, und
Luzifer hat sich darin eingenistet. Wie kommt es nun, daß statt des einen es nun viele Herzen gibt, statt des einen die Vielheit. - Die Lieblosigkeit ist das große Hemmnis für unsere Entwicklung. - Dann folgten die drei Formeln. Aufzeichnung C Das Herz ist ein großes kosmisches Gebilde, worin sich die Elohim betätigen. Wirkung Luzifers, daß die Imaginationen, Inspirationen und Intuitionen wie verbrannt werden und erscheinen dann als die Sinneswahrnehmungen. Diese sind verbrannte Imaginationen etc. Gegenwirkung der guten Götter, daß sie ahrimanische Mächte gesandt haben, die im Gehirn arbeiten, wie abkühlend. - Die Wirkung der Elohim erschien dem Moses in dem brennenden Dornbusch. Er erhielt dann die Gesetzestafeln. - Wenn wir bei In Christo morimur das mittlere Wort auslassen, können wir da eine Welt erleben. - Das Herz ist die Wohnung der Götter.
ESOTERISCHE STUNDE