Statt Homunkulismus und Mephistophelismus: Goetheanismus
Man stellt daher den Menschen niemals richtig dar, wenn man ihn ‚bloß als Monon darstellt, sondern nur, wenn man versucht, ihn darzustellen als einen Mittelzustand zwischen dem Sich-nicht-erreichenKönnen und dem Sich-Verlieren. Und wenn man womöglich beides gleichzeitig in aller Stärke fühlt, dann fühlt man sich so recht als Erdenmensch. Wenn man fühlt eine Art Hin- und Herpendeln zwischen Sich-nicht-erreichen-Können und Sich-Verlieren, dann fühlt man sich als Erdenmensch. Und dasjenige, was man erreichen muß, ist, trotzdem man in einem solchen Pendeln darinnensteht, die Ruhe des Daseins. Die Ruhe des Daseins erreicht auf dem physischen Gebiete der Pendel, erreicht die Waage. Auf dem geistig-moralischen Gebiete muß dasselbe, was die Waage, was der Pendel erreicht in seiner Ruhelage, der Mensch erreichen können. Der Mensch soll nicht anstreben, die absolute Ruhelage zu haben, das macht ihn faul, verfault. Der Mensch soll anstreben die Ruhelage, die der Mittelzustand zwischen dem Ausschlagen ist, zwischen dem Nicht-Erreichen und Sich-Verlieren.
Cite:
GA 273/1919-01-19/p013 · edition original