Ansprache zur Eurythmie
Aber auch sonst, wenn wir das Wesen der Töne, die Sie von sich geben können, studieren, so finden wir zwischen der Gestaltung und namentlich zwischen der Art und Weise, wie sich diese wiederum in die Welt hineinstellen, und zwischen der Tongebung und Tonwandlung einen Zusammenhang. Derjenige, der eben wirklich sinnlichübersinnliches Schauen besitzt, der wird intuitiv einen Zusammenhang schauen zwischen dem Bau und namentlich den Bewegungen, wie sie aus dem ganzen Muskelsystem heraus sich offenbaren, sagen wir bei den Raubtieren und ihrem Brüllen. Oder man wird einen intimen Zusammenhang intuitiv entdecken zwischen der Art, wie der Vogel auf den Wellen der Lüfte hinsegelt und demjenigen, was an innerlich intensiver Bewegung in seiner Tongebung und Tonwandlung zum Vorschein kommt. Studiert man nach und nach in der Natur diesen geheimnisvollen Zusammenhang zwischen Bewegung und Tongebung, so kann man ein solches Studium auch auf den Menschen ausdehnen. Und man dringt dann immer weiter und weiter ein in das, was wirklich weit unter der Schwelle des gewöhnlichen Bewusstseins lebt: in den Zusammenhang zwischen menschlicher Bewegung und zwischen menschlichem hörbaren Sprechen. Man kann studieren die Bewegungsanlagen des Kehlkopfes, der Zunge, des Gaumens und so weiter und so weiter. Man kann studieren, wie diese Bewegungsanlagen sich übertragen den Schwingungen der Luft - während ich spreche hier, ist die Luft in Bewegung. Man kann dann studieren, wie alles, was sonst der Mensch an Bewegungen ausführen kann, zu einem Ausdrucke ähnlicher Art werden kann, wie der Ton zum Ausdruck der menschlichen Seelenerlebnisse wird.
Cite:
GA 277b/1920-01-18/p007 · edition original