Ansprache zur Eurythmie
Sehr verehrte Anwesende! Wie sonst immer vor diesen Proben unserer eurythmischen Kunst, möchte ich auch heute mir erlauben, einige Worte vorauszuschicken über die Quellen dieser eurythmischen Kunst und über die neuen Ausdrucksformen, in denen versucht wird, dasjenige zum Ausdruck zu bringen, was sonst nur durch Gesang, Musik oder durch das dichterische Wort künstlerisch zum Ausdrucke gebracht werden kann. Eurythmie stellen wir uns vor als eine Art von stummer Sprache. Aber allerdings wird damit eine Kunstform geschaffen, welche in einer gewissen Weise Wege eröffnen könnte, die, wie mir scheint, heute von den verschiedensten künstlerisch denkenden und empfindenden Leuten gerade gesucht werden. Es ist ja nicht zu leugnen, dass bei einem großen Teil unserer Zeitgenossen die berechtigte Überzeugung vorhanden ist, dass die alten Wege des künstlerischen Schaffens einer Erneuerung bedürfen. Überall - auf dem Gebiete der Malerei, des Musikalischen, auf dem Gebiete des Plastischen - wird nach einer neuen Formensprache in einer gewissen Weise gesucht.
Cite:
GA 277b/1920-04-17/p004 · edition original