8. Ansprache zur Eurythmie
In der gegenwärtigen unkünstlerischen Zeit hält man etwas ganz anderes für Rezitationskunst, als wirklich eine solche ist. Man glaubt, dass es darauf ankäme, den Prosainhalt besonders durch Betonen desjenigen, was man oftmals «gefühlvoll nuancieren» nennt, herauszubekommen. Nein, beim Deklamieren und Rezitieren — und das zeigt sich, wenn man zur Eurythmie rezitieren soll -, beim Deklamieren und Rezitieren kommt es darauf an, dass schon die innere Eurythmie - Rhythmus, Takt, überhaupt die Formung des wortwörtlichen Inhaltes, wie sie durch den Dichter geschieht —, dass das besonders in der Formung des Tones, in der Gestaltung, in dem Tempo und so weiter, im Takt des Tones, im Rhythmus des Tones zum Ausdrucke kommt. Und nur, indem man diese Rezitation, die eben geschildert werden sollte, auch im Praktischen durch dasjenige, was während des Kurses Frau Dr. Steiner drüben im Bau rezitiert hat, indem man diese Rezitationskunst ausübt, kann man überhaupt zeigen, wie auf der einen Seite in der sichtbaren Sprache der Bewegung der Eurythmie der Inhalt zum Ausdrucke kommt und auf der anderen Seite durch die eurythmische Formung des Tones in der Rezitation oder Deklamation.
Cite:
GA 277c/1920-10-17/p019 · edition original