Ansprache zur Eurythmie
Wenn man zuerst das Sprachliche betrachtet, so ist ja das, was in der Sprache zutage tritt, eigentlich auch eine Art von Gebärde, nur ist. da die Gebärde gelegen in dem Luftstrom. Wir formen den Luftstrom ganz anders, wenn wir den einen Selbstlaut aussprechen oder den anderen. Und je nachdem sich dem Laute gemäß, dem Worte gemäß, der Satzbildung gemäß die Luftgebärde, die wir beim Sprechen hervorbringen, verbreitet, wird eben das eine oder das andere von dem Sprachinhalte vermittelt. Nur ist es bei der Sprache so, dass in die Gebärde von der einen Seite das menschliche Willenselement eindringt, von der anderen Seite das menschliche Gedankenelement. Das menschliche Gedankenelement ist dasjenige, was gewissermaRen die bloß radial vom Menschen ausströmende Lautgebärde, die nicht artikulierter Laut, sondern eben eine Lautgebärde wäre, dem Querschnitte nach zum Worte formt, sodass in dem Sprachlichen zusammenwirkt ein gedankliches Element und ein Willenselement.
Cite:
GA 277d/1923-04-08/p005 · edition original