Ansprache zur Eurythmie

GA 277d/1923-04-08/p007 ·1923-04-08 · original (original)
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Und man kann sagen: Dasjenige, was uns vorliegt, wenn wir bloß gedankenhaft über einem Gedichtbuch sitzen und so lesen, wie wir Prosa lesen, wo wir ja hauptsächlich darauf reflektieren, dass wir das Gedankliche aufnehmen, wenn wir so über einem Gedichtbuch sitzen, so haben wir eigentlich von dem Gedichte kaum mehr vor uns, als wir in der bloß mit den Augen angesehenen Partitur irgendeines Musikstückes haben. Das Gedicht wird erst Gedicht, wenn es umgesetzt wird in das sprachliche Element, wenn man die Lautgestaltung, die Lautharmonien, Melodien auch eigentlich nur im Geiste, in der Phantasie hört. Sodass das Gedicht eigentlich erst wirklich entsteht, wenn es rezitiert oder deklamiert wird, gleichgültig, ob es nun wirklich deklamiert oder rezitiert wird oder ob es bei einer für die Lautgestaltung, für den Lautinhalt so lebhaften Phantasie aufgenommen wird, dass eben diese Sprachgestaltung in dem Übersinnlichen lebt.

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