Vortrag zur Eurythmie
Es gibt Leute, die sagen: Ja, wir wollen doch nicht, dass da etwas so Abgezirkeltes uns gegeben wird, dass da in der Bewegung der eine Laut wie der andere so ausgedrückt werden muss. Wir wollen Gebärden haben, die spontan aus dem Menschen herauskommen. - Man kann ja die Lust haben zu solchen Sachen, aber dann soll man nur auch gleich die Lust haben, dass es keine deutsche, französische oder englische Sprache geben kann, damit der Mensch in seiner Freiheit nicht gestört wird; dass jeder sich in einem andern Laut ausdrücken kann, wie er will. Er kann ja auch sagen: Seine Freiheit wird gehemmt dadurch, dass er Englisch oder in einer anderen Sprache reden muss. - Die Freiheit wird eben gar nicht gehemmt. Aber die Schönheit in der Sprache kann erst dadurch geschaffen werden, dass der Mensch da ist. Die Schönheit in der eurythmischen Bewegung kann erst dadurch geschaffen werden, dass die Eurythmie erst da ist. Die Freiheit wird gar nicht dadurch beeinträchtigt. Diese Einwände entstammen eben durchaus der Einsichtslosigkeit. Und so wurde die Eurythmie tatsächlich geschaffen, geschaffen als eine Sprache durch, ich möchte wirklich sagen: die ausdrucksvollsten menschlichen Organe, Arme und Hände.
Cite:
GA 277d/1923-08-26/p030 · edition original