Fünfter Vortrag

GA 303/1921-12-27/p020 ·1921-12-27 · original (original)
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Nun kann man ja allerdings sagen, man könne logisch, erkenntnistheoretisch beweisen, daß das Erkennen überhaupt nicht bis zur künstlerischen Betätigung aufsteigen solle. Denn Erkennen heißt, mit Hilfe der diskursiven Begriffe von einem Begriff zum anderen logisch fortschreiten; und wenn man eben ins Künstlerische übergeht, so überschreitet man das Gebiet der erlaubten Erkenntnis. Man kann lange genug, lange gut in dieser Art philosophieren, wie Erkenntnis beschaffen sein solle oder nicht: wenn die Natur, wenn die Welt eine Künstlerin ist, so wird sie sich eben einem bloß logischen Erkennen nicht ergeben. Man gelangt nicht an sie heran; sie entzieht sich einem bloß logischen Erkennen. Daher kann es noch so bloß logisch gerechtfertigt sein, daß das Erkennen nicht künstlerisch sein soll: mit einem nichtkünstlerischen Erkennen taucht man eben nicht in die ätherische Wirklichkeit hinunter. Es kommt darauf an, wie die Welt ist, nicht wie das Erkennen sein soll, nicht daß wir aus irgendwelchen logisch richtigen Voraussetzungen etwas anerkennen. So muß man sagen: Es tritt ein künstlerisches Moment ein, wenn wir uns von der gewöhnlichen, gegenständlichen Erkenntnis zu der imaginativen herauferheben.

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