Dreizehnter Vortrag
Auch diese Dinge lassen sich ja, ich möchte sagen, im Leben studieren. Da, wo etwas noch Nahrungs- oder Genußmittel ist und noch nicht als Heilmittel, wenigstens im gewöhnlichen Sinne, angewendet wird, da kann man zum Beispiel sehen — ich habe das übrigens bei früheren Gelegenheiten auch öffentlich, wenigstens in gewissen Kreisen, erwähnt —, wie der Kaffee eine ganz deutliche, ausgesprochene Wirkung hat auf den ganzen symptomatischen Prozeß des Seelenlebens. Man sollte auf solche Wirkungen eigentlich nichts geben, denn sie machen nur die Seele träge, wenn man sich auf sie verläßt, aber sie sind eben doch vorhanden. Man kann mangelnde Logik sich durch Kaffeegenuß ersetzen, das heißt, man kann durch Kaffeegenuß tatsächlich den Organismus so disponieren, daß aus ihm mehr Kräfte herausgeholt werden können zur Logik, als wenn einer nicht Kaffee genießt. Daher sollte es zu den Mitteln der auf die gegenwärtige Anschauung gebauten Journalistengewohnheiten gehören, daß die Journalisten viel Kaffee trinken sollen, damit sie nicht so viel an den Federstielen knabbern müssen, um die Gedanken miteinander in Verbindung zu bringen. Das gilt nach der einen Seite hin. Nach der anderen Seite ist der Teegenuß dasjenige, was uns verhindert, einen Gedanken pedantisch immer professorenhaft an den anderen zu knüpfen, wodurch wir uns, wenn es ins Extreme kommt, nicht eigentlich geistreich äußern, sondern so, daß wir immer den anderen genau unseren eigenen logischen Prozeß vormachen; da werden wir immer langweilig. Die Berufe, die ja jetzt in dem Stadium des Abkommens sind, denen man aber aus ihrer alten Organisation hätte ein Mittel anzugeben gehabt, wie sie möglichst geistreich sein können, ohne es innerlich zu werden, sondern bloß durch ein äußeres Genußmittel, denen hätte man natürlich anraten müssen, Tee zu trinken. Wie der Kaffee ein gutes Journalistengetränk ist, so ist der Tee ein außerordentlich wirksames Diplomatengetränk, wodurch eben das Gewöhnen an abgerissene Gedanken, die so hingeworfen werden und durch die man eben geistreich erscheinen kann, im wesentlichen gefördert wird.
Cite:
GA 312/1920-04-02/p025 · edition original