Vierter Vortrag

GA 316/1924-04-24/p020 ·1924-04-24 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Deshalb sagt man sich gewissen Krankheitszuständen gegenüber mit einer solchen inneren Hingabe: Ach, da wirkt, weil keine richtige Trennung da ist, die Individualität aus dem vorigen Erdenleben auf das Organ, das jetzt nur von diesem Erdenleben beeinflußt werden sollte. — Deshalb sehen Sie im kranken Menschen herüberwirken die Individualität aus früheren Erdenleben. Diese Individualität, die sich selbst nur im Moralischen, im Schicksalsmäßigen ausleben sollte, die stehenbleiben sollte bei dem, was der Mensch tut und erfährt, und die nicht berühren sollte die Organisation in dem hauptsächlich irdischen Teile des Menschen, die wirkt teils in seinem Stoffwechsel-Gliedmaßensystem, teils in seinem rhythmischen System, teils in seinem Sinnes-Nervensystem, weil die Grenze schadhaft geworden ist. Sehen Sie, da entsteht ein Sich-Verhalten zum Menschen dadurch, daß man weiß, in der kranken Lunge wirkt die Individualität des Menschen. Wenn ich einen Lungenschwindsüchtigen ansehe, komme ich in ein ganz konkretes Mitleiden dadurch, daß unsere Zeit so materialistisch ist, den Menschen in der äußeren Welt ablenkt davon, wie sich sein Karma schicksalsmäßig ausleben sollte, ihn moralisch zurückstößt mit unserem ganzen ungeistigen Leben in seine eigene Körperlichkeit. Die Individualität, statt daß sie in das Moralische überginge, stößt unsere Zeit zurück; sie wird organisch, ergreift die Organe, ergreift vor allen Dingen die Lunge, die das ins Innere Gerichtete ist des Stoffwechsel-Gliedmaßensystems, das seinerseits nach außen gerichtet ist. Es ergreift die Körperlichkeit unmittelbar die aus früheren Inkarnationen hereinspielende Individualität. Solche Dinge sind nicht dadurch so wichtig, daß man über sie theoretisiert, sondern daß man sich in der ganzen Stimmung in sie hineinversetzen kann, und dann entsteht eben das, was Heilwille ist und was sich in der richtigen Weise dann verbindet mit dem Heilbedürfnis des Menschen. Es ist eigentlich nach unserer heutigen materialistischen Kultur der heilende Mensch außerordentlich scharf getrennt von dem Menschen, der das Heilen sucht. Er kommt nicht heran, weil man mehr braucht zum Herankommen, weil man ein Gefühl haben muß für dasjenige, was als Ewiges im Menschen lebt. Und aus diesem Gefühl heraus entwickelt sich das rechte Verhältnis zwischen dem Heiler und dem zu Heilenden, und dann geht einem der Sinn dafür auf, wie man wirklich individualisieren muß; denn jeder Mensch hat sein eigenes Karma. Man muß individualisieren im Heilverfahren.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/316/1924-04-24/p020.json
Cite: GA 316/1924-04-24/p020 · edition original