Arthur Schopenhauer

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Was nun Schopenhauer der Welt noch zu sagen hatte, enthält sein letztes Buch «Parerga und Paralipomena», das im Jahre 1851 erschien. Es brachte eine Reihe von Abhandlungen zur Philosophie, Psychologie, Anthropologie, Religion und Lebensweisheit in einer Darstellung, die den Leser gefangen nimmt, weil er nicht bloß Behauptungen und abstrakte Beweise liest, sondern überall auf eine Persönlichkeit durchblickt, deren Gedanken nicht bloß aus dem Kopfe, sondern aus dem ganzen Menschen entspringen und die nicht bloß durch Logik, sondern auch durch Gefühl und Leidenschaft ihre Ansichten zu beweisen sucht. Dieser Charakter von Schopenhauers letztem Werke und die Arbeit einiger Anhänger, die der Philosoph schon in den vierziger Jahren gewonnen hatte, bewirkten es, daß er am Abend seines Lebens von sich sagen konnte: Meine Zeit ist gekommen. Der jahrzehntelang Unbeachtete wurde in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts ein vielgelesener Schriftsteller. Schon 1843 veröffentlichte F. Dorguth eine Schrift: «Die falsche Wurzel des Idealrealismus», worin er Schopenhauer «den ersten realen systematischen Denker der ganzen Literaturgeschichte» nannte. Ihr folgte 1845 eine andere von demselben Verfasser: «Schopenhauer in seiner Wahrheit». Auch Frauenstädt wirkte als Schriftsteller für die Verbreitung der Schopenhauerschen Lehre. Er ließ 1854 «Briefe über die SchopenhauerschePhilosophie» erscheinen. Besonderen Eindruck aber machte ein Artikel John Oxenfords in der « Westminster Review» vom April 1853, den Otto Lindner übersetzen ließ und in der Vossischen Zeitung unter dem Titel «Deutsche Philosophie im Auslande» veröffentlichte. Schopenhauer wird darin als philosophisches Genie ersten Ranges bezeichnet; seine Tiefe und sein Ideenreichtum werden durch Abdruck einzelner Stellen seiner Werke zu beweisen gesucht. Lindner selbst wurde durch die «Parerga und Paralipomena» ein begeisterter Apostel der Schopenhauerschen Lehre, der er durch seine Stellung als Redakteur der Vossischen Zeitung große Dienste leisten konnte. Das Verständnis von Schopenhauers Ideen über Musik förderte besonders David Asher durch Aufsätze in deutschen und englischen Zeitschriften. Und diese Ideen über Musik waren es auch, die denjenigen Mann zu einem von Schopenhauers glühendsten Verehrern machten, der der Tonkunst neue Wege wies: Richard Wagner. Auf ihn wirkten diese Ideen wie ein neues Evangelium. Er sah in ihnen die tiefsinnigste Philosophie der Musik. Der Künstler, der in musikalischer Sprache die tiefsten Geheimnisse des Daseins ausdrücken wollte, fühlte sich geistesverwandt mit dem Philosophen, der die Musik für das Abbild des Weltwillens erklärte. Im Dezember 1854 übersandte der Tondichter dem Denker in Frankfurt den Text seines «Ring der Nibelungen» mit der handschriftlichen Widmung: «Aus Verehrung und Dankbarkeit», nachdem Schopenhauer kurz vorher es abgelehnt hatte, in Zürich Wagner zu besuchen.

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