Fünfter Vortrag

GA 342/1921-06-15_02/p026 ·1921-06-15 · original (original)
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Wir finden, Mineralien und Pflanzen können nicht schuldig werden, können dafür aber auch nicht leiden. Der Mensch muß leiden, kann aber auch schuldig werden. Und dann lenken wir den Blick auf die Tierwelt; die kann auch nicht schuldig werden, aber sie muß leiden. Und wenn wir lernen, allmählich die wiederholten Erdenleben [zu begreifen], namentlich wenn es uns nicht eine Theorie, sondern ein klares Begreifen wird, wenn wir fühlen, daß doch eben, wenn auch nicht trivial praktisch, aber ein weltgesetzmäßiger Zusammenhang zwischen Schuld und Leiden eben da ist und wir nur diesen Zusammenhang nicht finden, weil wir den Blick auf die unschuldige Natur hinlenken und den Menschen auch in diese Einheit der unschuldigen Natur einspannen möchten, dann geht uns die große Welttragik auf, die darin besteht, daß wir die Tierwelt an uns gekettet haben, daß die Tiere mit uns leiden müssen, trotzdem sie nicht schuldig werden können. Dann bringt man es zu dem tragischen Gedanken, daß die Tierwelt wegen des Menschen da ist, mitmachen muß das Leiden, trotzdem sie nicht fehlen kann. Fühlen Sie diesen Begriff durch, fühlen Sie mit, daß die Tierwelt mitmacht das Übel, trotzdem sie nicht mitgehen kann zum Bösen.

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Cite: GA 342/1921-06-15_02/p026 · edition original