Dritter Vortrag
Das sollten wir eigentlich jedem Sprachworte gegenüber empfinden: eine uns außerordentlich adelnde Bescheidenheit des Ausgangspunktes für die Entwickelung der spirituellen Impulse. Sagen müßten wir uns: So wie wir als Menschen auf der Erde heute stehen in unserer fünften nachatlantischen Periode, müßten wir, wenn wir ehrliche Menschen wären, damit beginnen zu schweigen, nichts zu benennen und dann beginnen, die drei Stufen zu überwinden, die uns das Recht geben werden, die Dinge von uns aus zu benennen. Dadurch erst werden wir ein Gefühl dafür bekommen, welch außerordentlich bedeutungsvolles kosmisches Erlebnis es war, das in der Schrift angedeutet wird damit, daß in der Anwesenheit Gottes dem Adam gestattet war, Tiere und Dinge zu benennen, wozu ihm eben nur die Gottesnähe das Recht geben konnte. Wir werden durch solche Erlebnisse, die aber konkrete eigene Erlebnisse sein müssen, auch die nötige Tiefe bekommen für das Schriftwort, so daß dieses dann durch die innere Kraft, die wir ihm geben können, die nötige Nuancierung und Kolorierung bekommt, damit aus dem Wort jene Stufe heraustönt, der gegenüber wir nicht bloß sagen können: Wir haben das Recht nicht, die Dinge zu benennen -, sondern sagen können: Durch Gott ist uns [das Recht gegeben], die Dinge von uns aus zu benennen.
Cite:
GA 345/1923-07-13/p008 · edition original