Das menschliche Leben in Schlaf und Tod
Sehen Sie, solch einen Stoff, der ganz ungeordnet ist, den hat man nämlich sonst nirgends in der Welt. Alle Stoffe sind in einer gewissen Weise innerlich irgendwie geordnet, angeordnet. Wenn Sie den beliebigsten Stoff nehmen, wenn Sie nur ein Staubkörnlein nehmen und durch das Mikroskop anschauen, dann werden Sie sehen, wie fein und wie kunstvoll es im Innern aufgebaut ist. Das befruchtete Ei, das ist das einzige, was ganz wüst im Innern ist. Und ganz wüst muß erst der Stoff werden; er darf gar nichts mehr durch sich selber sein, wenn daraus ein Mensch werden soll. Die Menschen, die denken immer nach über das Eiweiß zum Beispiel. Sie wollen immer studieren, wie das Eiweiß innerlich gestaltet ist. Ja, das Eiweiß ist so lange innerlich gestaltet, als es nicht befruchtet ist. Wenn es befruchtet ist, ist es eben das, was ich einen «Knatsch» genannt habe, das heißt ein Chaos, ein ganz absolut ungeordneter Stoff. Und daraus entsteht der Mensch. Schon bei der Urmutter Eva, wenn sie überhaupt vorhanden war, war nicht das ganze Menschengeschlecht vorhanden, noch irgendwie in einem später befruchteten Eikeim, sondern der Eikeim ist ganz chaotisch, ungeordnet, und war bei der Urmutter Eva auch ungeordnet. Und wenn ein Mensch aus diesem Eikeim entstehen soll, dann muß das von außen bewirkt werden, das heißt, der Mensch muß in diesen Eikeim hineinfahren. Gerade ein richtiges naturwissenschaftliches Studium zeigt wiederum, daß der Mensch von außen in diesen Eikeim hineinfahren muß. Das heißt, der Mensch kommt aus der geistigen Welt. Er kommt nicht vom Stoff. Der Stoff muß nämlich zuerst zerstört werden.
Cite:
GA 349/1923-03-21/p034 · edition original