Über Christi Tod, Auferstehung und Himmelfahr
Die römische Herrschaft war nun über alle diese Länder ausgedehnt. Die Römer hatten alle diese Länder mit ihrer Herrschaft besetzt. Also es war eine sehr ausgedehnte römische Herrschaft! Rom liegt ja erwa da. Natürlich spielte sich in Rom alles ab, was Regierungsgeschichten waren und so weiter, also sehr weit weg von Palästina. Und alles, was sich in Palästina abgespielt hat, das wurde in Rom dazumal sehr, sehr wenig bekannt. Und diejenigen Schriftsteller, die in Rom geschrieben haben, die haben noch etwa hundert Jahre lang, nachdem sich schon diese Tatsache mit dem Christus Jesus in Palästina zugetragen hatte, noch nichts davon geschrieben! Erst etwa hundert Jahre später hat man in Rom diese Sache aufgefaßt, die sich da in Palästina zugetragen hatte. Und man hat sie damals in Rom nicht viel anders behandelt als so, daß man eben gesagt hat: Nun ja, da in Palästina drüben ist ein unbekannter Mensch gekreuzigt worden. - Gekreuzigt werden bedeutete dazumal so etwas wie später: gehängt werden. Also es machte kein besonderes Aufsehen. Erst dann, nachdem hundert Jahre verlaufen waren, und die römische Herrschaft immer tyrannischer und tyrannischer und auch immer luxuriöser und luxuriöser geworden war, da hat sich gezeigt, daß mittlerweile, während in Rom die Leute in ihrem Luxusleben waren, sich langsam, nach und nach, das Christentum hier ausgebreitet hatte, und in Rom bemerkte man eigentlich zuerst die Christen. Und den Christen ging es in Rom ja so, daß man sie zunächst überhaupt nicht dulden wollte. Wer ein Christ war, der war in Rom etwas sehr stark Verfolgtes. Und jetzt muß ich Ihnen sagen, warum in Rom die Christen verfolgt wurden, denn, nicht wahr, Sie würden sonst ganz und gar nicht verstehen können, welche Auffassung darin liegt, daß dazumal die Ansicht aufkam: da ist in Palästina, in Jerusalem ein Gott gestorben. Da müssen Sie sich klarmachen, wie dazumal die Ansichten in der Welt eigentlich waren.
Cite:
GA 349/1923-05-09/p012 · edition original